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15/01/2021
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Der erste Wortkrieg

Solidarität mit dem Frankfurter Imam Sabahattin Türkyilmaz-Appell des Bundesverbands Arbeiterfotografie gegen Verunglimpfung als Mittel zur Ausschaltung von Menschen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen


AUTOR:   ARBEITERFOTOGRAFIE


Der Bundesverband Arbeiterfotografie verurteilt die Diffamierung des Frankfurter Imam Hudschat-ul-Islam Sabahattin Türkyilmaz und sieht das Geschehen als Teil einer Strategie, Menschen auszuschalten, die den herrschenden Strukturen unbequem werden und sich insbesondere bezüglich Palästina und Israel für eine gerechte Lösung einsetzen, ohne dabei die von Israel begangenen Verbrechen zu übersehen. Sabahattin Türkyilmaz wurde Opfer einer Medienkampagne, die mit Darstellungen operiert, die bereits seit Jahren als falsch erwiesen sind bzw. von den Auslösern der Kampagne zwei Wochen später als falsch eingestanden werden mussten.

Am 7.2.2010 brachte der Hessische Rundfunk in seiner Magazin-Sendereihe 'defacto' im hr-fernsehen einen Beitrag (siehe dazu die separate Analyse), der wesentlicher Auslöser für die Hetzjagd auf den Frankfurter Iman wurde. Infolge seiner Forderung nach Gerechtigkeit auch für Palästina und die damit verbundene Verurteilung der Verbrechen des zionistischen Israel wird er als Antisemit verunglimpft. An dieser Hetzjagd beteiligen sich die rechtsextreme, 'Pro Köln' und anderen 'Pro'-Organisationen nahe stehende Gruppierung 'Politically Incorrect', ein breites Medienspektrum sowie Politiker aus den Reihen von CDU, SPD, FDP, der Grünen und der Linken. Am 21.2.2010 tritt Sabahattin Türkyilmaz infolge des öffentlichen Drucks zurück [« von allen seinen Posten im Zusammenhang mit der Fatima Zehra Moschee », Anm. Des Hrsgb.].

Der Bundesverband Arbeiterfotografie erklärt: Es kann nicht hingenommen werden, dass ein Klima geschaffen wird, in dem zu befürchten ist, dass das freie Äußern einer Meinung, die sich nicht im Rahmen des von den etablierten Kräften definierten Konsenses bewegt, mit Sanktionen belegt wird. Es ist absolut unakzeptabel, wenn Medien - insbesondere öffentlich-rechtliche - zu solch einem Klima beitragen, indem sie falsche Behauptungen verbreiten - wie beispielsweise die, der Iran wolle Israel vernichten. Es ist scharf zu verurteilen, wenn ein Klima geschaffen wird, in dem der Eindruck entsteht, Denunziation könne zum wirkungsvollen Mittel zur Ausschaltung  kritischer Stimmen werden - insbesondere von Stimmen, die moralische Wertvorstellungen nicht nur dann anwenden, wenn dies der Interessenlage der herrschenden Kräfte entspricht.

In seiner Rücktrittserklärung vom 21.2.2010 stellt der Frankfurter Imam als Reaktion auf die gegen ihn erhobenen Antisemitismus-Vorwürfe klar: "Um es in aller Deutlichkeit und unmissverständlich zu äußern und allen jenen, die meine Worte Missinterpretieren möchten, keine Chance zu geben, erkläre ich hiermit: Ich distanziere mich von jedem Antisemiten und jeder Form von Antisemitismus... Der Antisemitismus ist eine perfide Form des Rassismus, den ich aufs Schärfste verurteile. Gleichzeitig distanziere ich mich vom Zionismus, den ich für eine weitere Form des Rassismus erachte!"

Zahlreiche Persönlichkeiten verurteilen inzwischen die Hetzkampagne gegen Sabahattin Türkyilmaz und sprechen ihm ihre Solidarität aus. Der Bundesverband Arbeiterfotografie, der im Oktober 2009 in Frankfurt selber Opfer einer Hetze werden sollte, schließt sich dem an und erwartet, dass dies auch insbesondere all diejenigen tun, deren erklärte Aufgabe die Bekämpfung von Rassismus, Menschenrechtsverletzung und Krieg ist.

1.3.2010
Vorstand des Bundesverbands Arbeiterfotografie


defacto-Sendung vom 7.2.2010 - der Frankfurter Imam Hudschat-ul-Islam Sabahattin Türkyilmaz bei der Grundsteinlegung zum Bau der Moschee in Frankfurt-Hausen am 13.6.2009


Zu den Darstellungen der defacto-Sendung des Hessischen Rundfunks vom 7.2.2010

In der am Sonntag, dem 7.2.2010 ab 18 Uhr im hr-Fernsehen ausgestrahlten defacto-Sendung wird die Grundsteinlegung der Moschee in Frankfurt-Hausen am 13.6.2009 aufgegriffen. Daran anknüpfend werden Videoaufnahmen von zwei Demonstrationen gezeigt.

Die eine Videoaufnahme - mit der Einblendung 'Amateuraufnahmen 2006' - zeigt den Frankfurter Imam Sabahattin Türkyilmaz bei einer Demonstration am 12. August 2006. Dazu wird folgender Text gesprochen: "Auch diese Bilder zeigen Sabahattin Türkyilmaz, aufgenommen 2006 bei der Al-Quds-Demonstration in Berlin. Diese Demonstration findet seit 1979 jedes Jahr weltweit statt. Der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini hat die Al-Quds-Demonstration ins Leben gerufen, um zur Vernichtung Israels aufzurufen... Der Frankfurter Iman... ist in vorderster Reihe dabei. Und die Menge ruft den Slogan: 'Tod, Tod, Israel'."

Das ist in mindestens zweifacher Hinsicht falsch. Es handelt sich nicht um eine Al-Quds-Demonstration sondern um einen Protestmarsch gegen den militärischen Überfall Israels auf den Libanon im Juli 2006 mit mehr als 1000 Toten. In der defacto-Sendung, die am Abend des 21.2.2010 nach dem Rücktritt des Frankfurter Iman ausgestrahlt wurde, wird dies eingestanden: "Leider ist uns in unserer Berichterstattung ein Fehler unterlaufen." Zudem ist nicht eindeutig zu beurteilen, ob es tatsächlich die Gruppe ist, in der Sabahattin Türkyilmaz mitgeht, die den Slogan "Tod, Tod, Israel" ruft. Es ist nicht auszuschließen, dass Bilder und Ton so zusammen geschnitten sind, dass lediglich ein derartiger Eindruck entsteht. Auch ist dem Videomaterial nicht eindeutig zu entnehmen, ob sich Sabahattin Türkyilmaz – wie suggeriert – tatsächlich an der Spitze des Demonstrationszuges befindet.

Eindeutig falsch ist auch die Behauptung, Ayatollah Khomeini habe zur Vernichtung Israels aufgerufen. Das bekannte Zitat, auf das auch Irans Präsident Ahmadinedschad Bezug genommen hat und das immer wieder verfälschend als Aufruf, Israel von der Landkarte zu tilgen, wiedergegeben wird, ist tatsächlich Ausdruck der Vision von einem Palästina ohne Besatzungsregime. Verschiedene Medien und Nachrichtenagenturen hatten Arbeiterfotografie gegenüber den 'Fehler' eingestanden, und ZDF-Indendant Markus Schächter hatte Anweisung gegeben, die falsche Übersetzung nicht mehr zu verwenden.

Zu der zweiten Demonstration in der defacto-Sendung vom 7.2.2010 - mit der Einblendung 'Amateuraufnahmen 2001' - wird folgender Text gesprochen: "Schon 2001 war der Frankfurter Iman bei der Al-Quds-Demonstration in Berlin aktiv, hier als Einpeitscher am Megafon. Er ruft auf Arabisch: 'Wir gehören zur Gemeinschaft der Hisbollah'. Hisbollah: das ist die schiitische Terrororganisation aus dem Libanon."

Tatsächlich ist hier das religiöse Bekenntnis: "ya aba abdillah – nahnu ummat hizbullah" zu hören - zu deutsch: "Oh Vater von Abdullah, wir sind die (islamische) Weltgemeinde der Hisbollah". Hisbollah (Partei Allahs oder Partei Gottes) ist ein seit Jahrhunderten geläufiger Begriff aus dem Koran. Die Interpretation, es sei von der libanesischen Hisbollah die Rede, ist damit reine Willkür. Zudem hätte der Hessische Rundfunk im Sinne journalistischer Objektivität abwertende Vokabeln wie 'Einpeitscher' zu meiden und die Frage zu stellen, ob die Hisbollah im Libanon entsprechend des Vokabulars Israels und seiner Verbündeten tatsächlich als Terrororganisation oder vielmehr im Sinne des Völkerrechts als Widerstandsbewegung zu bezeichnen ist.


defacto-Sendung vom 7.2.2010 - Protestmarsch gegen das mörderische Vorgehen Israels im Libanon 2006 - verfälschend deklariert als Al-Quds-Demonstration



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Die Autoren, die an diesem Ersten Wortkrieg teilnehmen möchten, können ihre Texte an
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Quelle: die Autoren

Originalartikel veröffentlicht am 1.3.2010

Über den Autor

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DIE TLAXCALA KARTEI: 06/03/2010

 
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