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15/01/2021
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Der erste Wortkrieg

Richard-Goldstone-Straße


AUTOR:  Thomas Immanuel STEINBERG ÊæãÇÓ ÇãÇäæÆá ÔÊÇíä ÈѐÑ


Richard Goldstone, der zweiundsiebzigjährige UN-Berichterstatter, hat sich verdient gemacht. Ihm ist ein langes, aktives Leben zu wünschen. Doch eines Tages wird Freund Hein auf dem grünen Finger pfeifen. Sollten bis dahin die Israelis zur Besinnung kommen, so werden sie eine Straße in Tel Aviv nach ihm benennen.

Geht es jedoch nach Alan Dershowitz, der den Rufmord an Norman Finkelstein und dessen Arbeitslosigkeit zu verantworten hat, so wird uns Goldstone nicht lange erhalten bleiben. Dershowitz, einflußreicher Harvard-Professor und glühender Zionist, hat den Richter Goldstone zum „Moser" erklärt, zum „Verräter am jüdischen Volk", den zu vernichten religiös-zionistischen Yeshiva-Schülern ausdrücklich erlaubt ist. Rückendeckung bietet ihnen der israelische Staat. Er tötet rundum. Er massakriert Palästinenser in Gaza und im Libanon und ermordet ausgesuchte Feinde, zuletzt in einem Hotel in Dubai das Mitglied der militärischen Führungsriege der Hamas, Mahmoud Al-Mahbhou.

Doch für Mordanschläge bedarf es nicht einmal staatlich trainierter oder geduldeter Kommandos. Verleumdung und Verunglimpfung, auf neuralgische Punkte gerichtet, schaffen Stimmung in anfälligen Kreisen. Einer von denen greift schließlich zur Waffe.

So war es Ende der Sechziger Jahre im Westen. Springers Blätter hatten verbreitet, die US-Amerikaner würden in Vietnam die Freiheit Westberlins verteidigen; die studentischen Kriegsgegner, vor allem Rudi Dutschke, seien die Feinde im Innern. Als Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen worden war, verteilte ich an der Zehlendorfer Eiche Flugblätter, die wir in der Freien Universität hektographiert hatten. Ich wurde dafür von Passanten bespuckt. Es herrschte Pogromstimmung.

Acht Monate später brach sie sich Bahn, im Attentat auf Rudi Dutschke, verübt von einem Hilfsarbeiter, der Ausschnitte aus der National-Zeitung in der Tasche hatte, darunter die Titelzeile „Stoppt den roten Rudi jetzt" und Fotos von Dutschke. Wir marschierten zum Springer-Hochhaus und skandierten: „Bild hat mitgeschossen." Dutschke starb 1979 an den Spätfolgen des Attentats.

Jahrzehnte später kamen die Deutschen etwas zur Besinnung. So heißt heute eine Straße im Berliner Zeitungsviertel nach Rudi Dutschke.

Doch wieder wird Pogromstimmung geschürt. Im Namen der Freiheit diffamieren Anhänger der israelischen Staats- und Regierungspolitik Kritiker und Gegner, verleumden sie und veröffentlichen ihre Fotos steckbriefartig. Tageszeitungen beschimpfen Kriegsgegner als Antisemiten.(1) Die Kanzlerin und der Linksparteipolitiker Gysi erklären das Eintreten für Israels Staats- und Regierungspolitik zur deutschen Staatsräson, und Kulturzentren, Kirchen, Parteistiftungen und Hotels sperren ihre Räume für die, die das Gaza-Massaker beim Namen nennen und die Verwüstung des Iran verhindern wollen.

In der Partei Die Linke kann von Diskussionskultur nicht mehr die Rede sein, wie Erhard Crome vom Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung schreibt. Vielmehr greifen die falschen Freunde Israels alle an, die sich ihnen entgegenstellen, ob Bundestagsabgeordnete der Linken, renommierte israelische und US-amerikanische Wissenschaftler, Journalisten, Studenten oder Hartz-IV-Empfänger. An führender Stelle agitiert der Bundesarbeitskreis Shalom der Linksjugend, also der Linksparteijugend. Und irgendwo wetzt einer schon sein Messer.

Ach könnten doch die Deutschen einmal beizeiten zur Besinnung kommen. So viele Straßen tragen schon die Namen von Ermordeten.

Anmerkungen

(1) In eigener Sache: Neben der Hamburger Morgenpost hat nun auch ein Springer-Blatt den Artikel getilgt, der die Behauptung enthielt, Jürgen Elsässer und ich hätten sich judenhasserisch geäußert. Was aussteht, sind Richtigstellung und Entschuldigung, die ich ebenfalls gefordert habe.

(2) Wer sich vom Ausmaß der zionistisch inspirierten Kriegtreiberei in Großbritannien ein Bild machen will oder wer einfach Freude an der englischen Sprache hat, dem sei Baroness Tonges Interview auf TVPress Iran ans Herz gelegt. In King’s English schildert das Mitglied des Oberhauses, wie Israelis Palästinenser alle Tage demütigen. Die Dame wurde aktiv und von ihrer Partei dafür bestraft. Video, neun Minuten



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Der Erste Wortkrieg ist eine Initiative von Palestine Think Tank und Tlaxcala.

Die Autoren, die an diesem Ersten Wortkrieg teilnehmen möchten, können ihre Texte an
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Quelle: der Autor

Originalartikel veröffentlicht am 17.2.2010

Über den Autor

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DIE TLAXCALA KARTEI: 10/03/2010

 
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