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15/01/2021
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Den Schleier um den Kopf und die Binde um die Augen – Ein Beitrag zum Internationalen Frauentag


AUTOR:  Agustín VELLOSO

Übersetzt von  Isolda Bohler. Lektoriert von Fausto Giudice


1. Ein wichtiges Problem in Spanien: Die Kleidung der Frauen in den muslimischen Ländern

In der nationalen Presse finden sich weiterhin oft Artikel und Leserbriefe über den Schleier. Es scheint, als ob dieses Kleidungsstück zu einem Problem für die westliche Gesellschaft, in der man kaum seinen Gebrauch wahrnimmt, wurde, aber kurioserweise sieht es in jenen, in denen sein Gebrauch mehrheitlich ist, nicht so aus.

Gewiss ist, dass dieses so unbedeutende Kleidungsstück, außer der Bedeckung des Kopfes der muslimischen Frauen, dazu dient, die Situation der spanischen Frauen zu verheimlichen.

Sind alle jene Schreiber von Leitartikeln und Schriftsteller unter 50 Jahre alt? Denn ist dies nicht der Fall ist, wird es ihnen nicht schwer fallen, ihre Mütter und Tanten auf dieser Fotografie wiederzuerkennen:

 


Diese und die folgenden Fotografien (von
http://www.alicantevivo.org/ und http://castropol.blogia.com/temas/fiestas-y-procesiones.php) sind aus alltäglichen Feierlichkeiten  im Spanien von 1950 und 1960, obwohl es heute so aussieht, als seien sie vor einer Ewigkeit aufgenommen worden. 

Da man an den Wänden des Anbaus mit Gemeinschaftsschwimmbad, das noch Eigentum der Bank ist, nicht mehr die Familienfotos aus dem Dorf aufhängt, sondern ein Poster von New York oder von den Simpsons, passiert es, dass die Bewohner nicht einmal mehr ihre Mutter erkennen.

Der Neureiche hat wenig Geld und noch weniger Erinnerung, aber er hat überreichlich Titel der Modernität und er unterscheidet sich durch ein exquisites Taktgefühl, um Anderen zu sagen – mit Gewalt, wenn es nötig ist – , was sie zu tun haben.

 

Was sieht man hier? Nur Frauen und alle mit einem Schleier. Welch eine Rückschrittlichkeit! Es ist schade, dass man damals noch nicht die ISAF erfunden hat, um sie mit Bomben zu befreien und ihnen mit Raketen aus unbemannten Flugzeugen ihre Rechte zurückzugeben. Merkten sie denn nicht, dass eine fundamentalistische Religion sie von den Männern trennte und sie auf Maschinen reduzierte, die ein sinnloses Ritual wiederholen? Jetzt alle stehen, jetzt knien, jetzt sitzen, jetzt sagen sie, was sie ihnen befehlen, jetzt müssen sie schweigen.

 

Die Frauen gingen ohne Begleitung der Männer, immer mit dem schwarzen Schleier, auch auf der Straße, und zarte Geschöpfe zogen vorbei, eine Last tragend, von Kopf bis Fuß bedeckt, mit dem einzigen Unterschied, dass ihr Schleier weiß ist. Die Armen!

Ohne die Notwendigkeit weder von rechten Kreuzzügen noch von linken Friedensoperationen nahmen die Schleier an Größe und Präsenz ab, genauso wie der Rest der Kleidung bis in unsere Tage. Aber in den Dörfern hält sich eine Gruppe von Unbeugsamen, vom Aussterben bedroht: alte Frauen, deren schwarzes und langes Kleidungsstück ohne Worte offenbart, dass sie Witwen sind. Ergreifende Tradition.

 

2. Der Gebrauch des Schleiers in Spanien: Tradition und Religion

Sind es nur einige wenige Extremistinnen, die in Spanien an der Tradition, den schwarzen Schleier zu benutzen, festhalten? Nein, es gibt auch welche, die außer dem Gesicht und den Händen ihren ganzen Körper bedecken, aber im Unterschied zu den Anderen gehen sie nicht einmal aus dem Haus, haben keine Beziehungen zu Männern und erhalten keine Besuche ohne Erlaubnis einer Höherstehenden. Laut Daten der Universität von Navarra beträgt die Zahl der beschaulichen Nonnen in Spanien über 13.000.

Unos 14.000 monjes en España se dedican a orar (Ungefähr 14.000 Mönche widmen sich in Spanien dem Gebet).

Sie verbergen sich nicht der Welt hinter einem Stoffschleier, sondern hinter einer Mauer aus Eisen und Stein. Es handelt sich um eine Lebensform, die sie freiwillig, aus religiösen Idealen annehmen und dies genügt, dass die Anderen ihre Entscheidung respektieren, egal wie seltsam sie ihnen vorkommt.

 

Warum nun ist nicht, was für die katholische Religion gilt, auch für die muslimische gültig? Warum gibt es immer mehr von in der zweiten Hälfte – oder am Ende -  des 20. Jahrhunderts geborener Frauen in westlichen Ländern, die den Schleier benutzen? Warum erhöht sich, wie es scheint, die Zahl der Frauen, die in diese Orden eintreten, während sie im Übrigen abnimmt?

In der Sonntagsausgabe vom vergangenen 21. Februar veröffentlichte die Meinungsspalte der El País ein Plädoyer zugunsten des französischen „Burka – Gesetzes“, unterzeichnet von Bernard-Henri Lévy.

Er behauptet zuerst, dass die „freiwillige Hörigkeit niemals ein Argument war; der glückliche Sklave – oder Sklavin – rechtfertigte niemals die der Sklaverei innewohnende, wesentliche, ontologische Niederträchtigkeit“.

Außer, dass der Autor über den nicht kleinen Unterschied zwischen dem zum Sklaven gezwungenen und dem „glücklichen“ (der seine Freiheit zu wählen schon ausübte) hinweggeht, scheint er nicht wahrzunehmen, dass seine Meinung über die weibliche Sklaverei zweischneidig ist: Muss man die Sklaverei der Frauen, die durch Unterwerfung eines Mannes hinter einer Burka gefangen leben, legal verbieten und nicht die von denen, die durch Unterwerfung von Gott als Gefangene hinter den Mauern eines Konvents leben? Wenn das Entscheidende ist, keinen Umgang mit Männern zu haben und den eigenen Willen in die Hände eines anderen Wesens zu geben, dann übertreffen die Nonnen haushoch die anderen Verschleierten.

Die Frauen, die freiwillig ein ihr Gesicht bedeckendes Kleidungsstück benutzen, wären darüber erfreut, dass ihnen der Artikelschreiber den Grund sagt, weswegen sie es nicht machen dürfen, während die dominikanischen Nonnen in Klausur gemäß den Regeln:

„mit ihrem Leben des Gebets, der Stille und der Buße davon Zeugnis ablegen, dass Gott existiert. Sie wählen in völliger Freiheit eine Lebensform, mit der sie sich ausschließlich der Gefolgschaft von Jesus Christus und den himmlischen Dingen widmen“.

¿Qué es una monja dominica contemplativa?  (Was ist eine dominikanische, kontemplative Nonne?

Was bedeutet diese ausschließliche Hingabe? Was tun die beschaulichen Nonnen in ihrem täglichen Leben ohne Kontakt zum anderen Geschlecht? „Sie studieren die Worte Gottes, beten, machen eine Handarbeit in Gemeinschaft mit ihren Schwestern. Sie leben einmütig im Herrn, achten innerhalb des Klosters nichts mehr als eine Seele und ein Herz in Gott“.

En torno a qué gira la vida de una monja dominica? (Um was dreht sich das Leben einer dominikanischen Nonne?)

Gelobt sei der Herr! Gut für die Nonnen und Pech für die Gaststätten, die jungen Heiratslustigen und vielleicht auch für die Familien jener. Jede erwachsene Person folgt dem, was ihr gut scheint und wenn sie es wünscht, kann sie sich ihm freiwillig 24 Stunden des Tages ihr ganzes Leben lang widmen, mit Geringschätzung all des Anderen: Familie, Beruf, Liebe, Gut, Freude..., was man früher „der Dämon, die Welt und das Fleisch“ nannte.

Der Artikelschreiber verteidigt dann die gewaltsame Abschaffung der Burka, obwohl er zugibt, dass es in Frankreich nicht mehr als einige Hunderte Frauen gibt, die ihn benutzen (man glaubt, dass es fünfhundert Frauen in einem Land mit 66 Millionen Einwohnern sind):

„auch wenn es nur eine einzige Frau in Frankreich gäbe, die sich in einem Krankenhaus oder auf dem Rathaus mit einem Käfig bekleidet präsentierte, müsste man sie befreien“.

Abraham bat Jahve, er möge Sodom nicht zerstören, wenn er 50 Gerechte in ihr fände, aber da dieser ihm seine Liebe zu den Gerechten zeigte, wagte er es, ihn um Gnade für die Stadt zu bitten, wenn es nur zehn gäbe, worin Jahve einwilligte. Weder die Feder von Bernard-Henri Lévy, noch selbstverständlich die Raketen von Obama und seiner Alliierten stimmten zu, ganz Afghanistan zu verzeihen, wenn es die Frauen von ihrer Burka befreit.

Die Tatsache, dass Bernard-Henri Lévy sein Streben nach der Befreiung der Frauen von der Burka aus der Nachhut der Armee, die diese zusammen mit ihren Familien in Afghanistan wahllos bombardiert, geltend macht, disqualifiziert ihn als Vorkämpfer für die seiner Meinung nach sehr hohen humanitären Ideale. Dies einschließlich auch in dem Falle, wenn seine Argumente genügend Druck hätten, um ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.

3. Politisch korrekter Feminismus und der Schleier

Einige Durchschnittsbürger sind auch gegen den Schleier und daher gegen die Burka. Am 24. Februar schreibt eine Leserin von El País in der Abteilung Leserbriefe: „Meine Erfahrung im Arbeiten in einem muslimischen Land ist, dass der Schleier Teil einer Form sich zu bekleiden, zu leben und die Religion zu begreifen, ist, die die Frau auf einen zweiten Platz, der maskulinen Welt untergeordnet, zurückweist“.

Dieses einfache, von einer spanischen Frau hervorgebrachte Argument, das ihre Erfahrung in einem muslimischen Land erkennen lässt, ist letztlich interessanter und anziehender als das idealistische des Philosophen: Der Schleier ist ein weiteres Element einer Kultur zusammen mit einer Lebensweise und einer religiösen Praxis, die der Machismus hervorbringt.

Durch ihre Worte kann man sagen, dass diese Frau Feministin ist: „Ich kann ihr Feminismuskonzept nicht teilen“, sagt sie, sich auf eine französische Aktivistin, die den Schleier benutzt, beziehend. Sie fügt hinzu, dass in den muslimischen Ländern „der gesellschaftliche Druck (damit die Frauen ihn benutzen) sehr hoch ist“, während in Europa „es vielmehr ein Zurückweisen von Sitten, Symbolen und Konzepten, die seit Zeiten nach Jahrzehnten des Kampfs um Gleichheit vergrabenen sind, gibt“.

Schauen wir uns an, was das Land, in dem die Leserin lebt, dem Land, in dem „die Frau der männlichen Welt untergeordnet wird“, lehren kann:

Im Arbeitsbereich zeigen die Daten des Instituts der Frau bezogen auf  2009, dass „in allen Fällen der männliche Lohn höher als der weibliche ist, unabhängig von den persönlichen, arbeitsbedingten und unternehmerischen Charakteristiken, die man betrachtet. Der Unterschied im Gehalt erreicht 2,11 € pro Arbeitsstunde, um die 18 %.“

http://www.inmujer.migualdad.es/MUJER/publicaciones/docs/Analisis_perspectiva_genero.pdf

Eine Studie der Autonomen Universität Barcelona erwähnt als Gründe „die Diskriminierung wegen dem Geschlecht“, dass „die Frauen in ihren Beschäftigungen weniger Führungspositionen als die Männer haben, und dass ihre Präsenz in Unternehmen mit wenigen Arbeitern, in denen die Produktivität niedriger ist und als Folge auch die Löhne, mehr überwiegt.“

http://www.solidaridad.net/noticias.php?not=2435

Bei der Verteilung der familiären Aufgaben hebt ein Bericht des Wirtschafts- und Sozialrats (CES) die Schwierigkeiten der Frauen hervor, das Arbeits- und Familienleben zu vereinen, (und dass) man in Spanien die informelle Betreuung auf Kosten der Arbeit und der Zeit der Frauen löst, v.a. von denen mit geringerer Ausbildung, Arbeitslosen und aus den unteren gesellschaftlichen Klassen.“

http://scielo.isciii.es/scielo.php?pid=S0213-91112004000500001&script=sci_arttext

Vielleicht beschäftigt der muslimische Schleier unserer Leserin so stark, dass sie sich keine Zeit zum Nachdenken darüber nehmen kann, dass das wirksamste maskuline Kontrollinstrument über die Frauen nicht in der Kleidung liegt, sondern in der sozialen und familiären Organisierung, die zugunsten des Mannes ist.

Laut dem Fraueninstitut „liegt der Grund, warum nicht beschäftigte Frauen keine Arbeit suchen, liegt hauptsächlich daran, dass sie  Kinder, alte Menschen, Kranken oder abhängige Personen versorgen. Die Erwerbsquote  der verheirateten Frauen liegt bei 47,80 %, während die der Männer bei 68,60 liegt. Die Daten zeigen eine direkte Beziehung zwischen dem Familienstand und der Aktivität der Frauen.“

Auf  andere Weise betrachtet: „2007 befinden sich wegen der Versorgung der Kinder und kranker Erwachsener oder körperlich Behinderter oder alter Menschen 98,44 % der Frauen mit einem Teilzeitvertrag in dieser Situation. 93,80 % zieht die halbe Arbeitszeit wegen familiärer oder persönlicher Verpflichtungen vor.“

http://www.inmujer.migualdad.es/MUJER/publicaciones/docs/Conciliacion_Corresponsabilidad.pdf

In Spanien trägt man also den Schleier nur am Tag der Hochzeit bis zum Altar, wo man ihn gegen Ketten austauscht, die bis zum Tod dauern, wenn die Scheidung sie nicht zuvor durchschneidet. Was im ehelichen Heim zwischen beiden geschieht, wird folgendermaßen erklärt: „Laut einer Umfrage des INE (Daten von 2002-2003) darüber, wie die Zeit verbracht wird, widmen 92,2 % der Frauen um die vier Stunden und 45 Minuten täglich den Aufgaben des Haushalts und der Familie. 69,9 % der Männer widmen ihnen nur zwei Stunden und vier Minuten täglich.“

Ist der spanische Machismus nur lästig oder auch gewalttätig? „Die spanischen Gerichte erhielten zwischen Juli und September 2009 35.270 Klagen wegen Gewalt gegen die Frau“. Falls es keine großen Variationen gibt, wird davon ausgegangen, dass 2010 mit an die 150.000 Klagen endet.

http://www.publico.es/espana/293455/denuncias/violencia/genero/retiradas

Ein von der Gaceta Sanitaria -  das Organ der Sociedad Española de Salud Pública y Administración Sanitaria - veröffentlichter Artikel bestätigt, dass diese Gewalt „nicht das Ergebnis von unerklärlichen Fällen eines abwegigen oder pathologischen Verhaltens ist. Es handelt sich um eine angelernte, bewusste und gezielte Praxis, Produkt einer gesellschaftlich strukturierten Organisation auf der Grundlage der Ungleichheit zwischen den Männern und den Frauen“. 

http://scielo.isciii.es/scielo.php?pid=S0213-91112004000500001&script=sci_arttext

Wenn wir zu dem vorher Gesagten noch die relativen Daten über die Prostitution, das Schachern und den Handel dazunehmen, sowie das Bild der Frau als Sexobjekt in der Werbung und im weiteren Sinne im sozialen Gedankengut eines Großteils der Bevölkerung, kann man vermuten, dass unsere Leserin die Situation der Frau in Spanien etwas idealisiert.

Der Bericht der Arbeitsgruppe über die Prostitution in unserem Land, der 2007 vor die Cortes kam, erklärt, dass „die Prostitution eine starke geschlechtsspezifische Ausgleichskomponente hat, weil die Nachfragenden in der Mehrzahl Männer sind, insgesamt 99,7 %“.

http://www.lourdesmunozsantamaria.cat/IMG/pdf/INFORME_PONENCIA_PROSTITUCION.pdf

Vielleicht hat die El País Leserin, die mit der Veröffentlichung ihres Leserbriefes wahrscheinlich zufrieden ist, nicht diesen Bericht gelesen, in dem auch bestätigt wird, dass „die in diesem Land auflagenstärkste Zeitung um die fünf Millionen € jährlich einnimmt“ für Sexwerbeanzeigen, d.h. die aus der ausgedehnten Sparte Kontakte.

Glaubt diese Leserin, dass dieses Panorama nahe legt, das moderne, demokratische, zivilisierte Spanien, „nach Jahrzehnten des Kampfs um Gleichheit“, mit einer hohen Anzahl von Ministerinnen der Linken und einem Präsidenten, der an Gebetsfrühstücken in den Vereinigten Staaten teilnimmt, zu den geeignetsten Nationen zu rechnen ist, um Lektionen über die Befreiung der muslimischen, oder einer anderen Religion, Frau zu geben?

4. Das Arbeitsprogramm des Feminismus

Es würde Stunden dauern, mit unserer Leserin über die unterschiedlichen „Formen sich zu kleiden, zu leben und die Religion zu verstehen“ in einem muslimischen Land, das sie kennt, und Spanien zu diskutieren. Aber die herausragende Rolle, die sie  - und viel mehr Leute, dank der am Anfang erwähnten erzieherischen Arbeit – einem so kleinen Kleidungsstück, wie dem Schleier, bei der Unterordnung der Frau unter den Mann beimisst, veranlasst unvermeidlich dazu, sie nach dem, noch kleineren, das andere haben, das die Frauen im Westen und selbstverständlich auch in Spanien benutzen, zu fragen.

Erleiden diese vielleicht keinen starken sozialen Druck, sie zu tragen? Glaubt sie nicht, dass die Werbung, das Fernsehen, die Filme und die Modedesigner wenigstens hier die gleiche Kontrollkraft haben, wie die, die andere Kanäle in anderen Gesellschaften haben?

Wenn sie glaubt, dass das muslimische Kopftuch die Frau entsprechend dem Mann unterordnet, hat sie keinen Zweifel daran, dass das Tragen des Tangas, der Gebrauch des Büstenhalters mit Füllung, der spitzen Absätze, der engen Kleidung und der kleinen Größen, dies ohne die Schönheitsoperationen zur Vergrößerung der Brust, der Lippen, etc. – sogar bei Minderjährigen -, die komplette Enthaarung, die Gewichtskontrolle und andere „weibliche Tricks“ zu erwähnen, nicht eine ähnliche Mission haben?

Ordnet sich die Frau, die den Schleier außerhalb des Hauses trägt und ihn abnimmt, wenn sie mit ihrem Mann zu Hause ist, mehr dem Mann unter, oder diejenige, die ihre Unterwäsche den Fremden, die ihr dafür applaudieren, zeigt? Welchen anderen Grund könnte es als Erklärung dieser Fotografie sonst geben?

Einige spanische Frauen befreiten sich sehr. So sehr, dass sie sich heute so kleiden, wie es sich die Prostituierten vor wenigen Jahrzehnten nicht trauten; die gleichen, über die unsere Leserin sagt, dass gekämpft worden ist, um ihre Befreiung zu erreichen.

Aber außer der Haut haben sie nicht viel den Frauen zu zeigen, die mit Schleier und ohne ihn heutzutage in der vordersten Linie des Widerstands gegen den Imperialismus, den Kapitalismus und den Machismus stehen.

Wer, glaubt unserer Leserin, ist befreiter: die in Israel gefangene palästinensische Frau mit Schleier, weil sie gegen die Besatzung kämpft, oder die israelische Soldatin, die auf verführerische Weise in Unterwäsche posiert, nachdem sie diese Palästinenserin festgenommen hat?

Was glaubt unsere Leserin, wie sollte 2010 gegen die Unterordnung der Frau gekämpft werden: Eine scharfe Fernsehseifenoper anzuschauen, eine „reality show“ über Bettskandale, eine Zeitschrift mit weiblichen Berühmtheiten zu lesen, einer Laufsteg-Parade mit sexy Mode beizuwohnen...?

Angesichts der Fernsehprogramme mit der höchsten Zuschauerzahl, der Regenbogenzeitschriften großer Auflagen und anderer Daten über das starke Interesse großer Teile der weiblichen, spanischen und im weiteren Sinn der westlichen Bevölkerung, bleibt noch sehr viel mehr Arbeit zu tun, um ihnen die Augenbinde hier abzunehmen, als um den Schleier zu verbieten, der in anderen Ländern benutzt wird.

Wenn man den Schaden, den anscheinend der Schleier unter den Frauen, die im Irak, in Afghanistan, im Libanon und in Palästina leben, verursacht, mit dem, den sie durch die Aggression und die Besatzung westlicher Mächte mit der Kollaboration vom linken und feministischen Spanien erleidet, vergleicht, wäre es gut, die palästinensischen Mütter, wie die auf der Fotografie – die hilflos der Ermordung ihres Sohnes durch die israelische Armee beiwohnt -   zu fragen, ob es die größte Pein ist, eine Strafpredigt über die traditionelle Kleidung von einigen europäischen Feministinnen zu bekommen, oder ob es ihr vielleicht lieber ist, dass sie weiterhin ihre Unterhosen in ihrem Land zeigen und sie in Ruhe lassen.


Quelle: der Autor-El velo en la cabeza y la venda en los ojos - Contribución a la celebración del Día Internacional de la Mujer

Originalartikel veröffentlicht am 8. März 2010

Über den Autor

Agustín Velloso  ist ein mit Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt, assoziierter Autor. Isolda Bohler und Fausto Giudice sind Mitglieder davon. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin, der Lektor als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10191&lg=de


 


RAUCHENDE GEHIRNE: 19/03/2010

 
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