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23/01/2021
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Warum der Flugzeugabsturz vom 10. April? Lech Kaczyński wollte unbedingt nahe dem symbolträchtigen Ort Katyn landen, wo er nicht einmal eingeladen war


AUTOR:  Hans-Jürgen FALKENHAGEN & Brigitte QUECK


Um das Massaker von Katyn tobte lange Zeit ein von Lügen und Desinformationen charakterisierter Propagandakrieg. Dies gestaltete  die Wahrheitsfindung umso schwieriger. Unter Historiker herrscht inzwischen weitgehend Einigkeit über den Hergang der Geschehnisse und  die Täterschaft Stalins. Gorbatschow bekannte 1990 zudem, dass  Stalinisten für das Massaker verantwortlich gewesen seien. Trotzdem  die Sache weist noch einige Unklarheiten auf. Dieser Text ist als ein Beitrag zur Debatte, gegen den Strom der allgemeinen Darstellung zu verstehen. –Tlaxcala.

Die polnische Präsidentenmaschine war um 7.23 Uhr MEZ auf dem Flughafen Frederic Chopin in Warschau gestartet. Es handelte sich um eine neu generalüberholte Tupolew Tu-154. Sie wies nachweislich keine technischen Mängel auf. Ziel war die westrussische Stadt Smolensk, nahe Katyn. An Bord befanden sich 96 Personen, davon 7 Besatzungsmitglieder. Als sich das Flugzeug Smolensk näherte, herrschte dichter Nebel. Der Flugplatz war für eine Landung bei der bestehenden Sichtweite von nur 400-500 Meter nicht geeignet. Deswegen wiesen die Fluglotsen an, entweder den Flughafen in Minsk (Weißrussland) oder Moskau anzufliegen, was natürlich eine beträchtliche Landeverzögerung bedeutet hätte, aber der vernünftig sichere Anflugweg gewesen wäre.

Das hieß auch, dass die Delegation, die aus 89 Personen bestand, Katyn, wo man an die angeblich auf Befehl Stalins 22 000 ermordeter polnischer Soldaten und Offiziere gedenken wollte, auf dem Landwege erreichen musste. Aber einen langen Autokorso hielt man in der Delegation wahrscheinlich nicht für angebracht. Werner Pirker schreibt in „junge Welt“ vom 12. April 2010, Seite 8, unter der Überschrift „Polnischer Mythos“: „Das von Lech Kaczyński und den Seinen inszenierte Gedenken war eine Ersatzhandlung, die kaschieren sollte, dass Polens Präsident zu dem russisch-polnischen Versöhnungstreffen an den Gräbern von Katyn, vorher veranstaltet von den beiden Regierungschefs Wladimir Putin und Donald Tusk, nicht eingeladen war. Es ist also gut möglich, dass die Weigerung, Minsk oder Moskau anzufliegen, auf die verletzte Eitelkeit des Präsidenten, der einer Begegnung mit russischen oder weißrussischen Vertretern  aus dem Weg gehen wollte, zurückzuführen ist.“

Also wurde höchstwahrscheinlich von Lech Kaczyński höchstpersönlich die Weisung gegeben, unverzüglich auf dem anvisierten Flugplatz nahe Katyn zu landen und dies war ein Militärflugplatz, der eben für die Landung großer Passagiermaschinen vor allem bei dichtem Nebel kaum geeignet war.

Wie kompliziert der Landungsversuch war, beweist die Tatsache, dass der Pilot wegen schlechter Sicht dreimal durchstartete, bevor er zum direkten Landeanflug ansetzte. Dabei übersah er, dass er zu tief flog und die Baumwipfel eines Birkenwaldes streifte. Das bewirkte den Absturz. Die Maschine zerschellte und geriet zudem in Brand. Zweifellos war das ein tragisches Ereignis. Alle 96 Flugzeuginsassen wurden in den Tod gerissen.

An Bord befanden sich neben dem polnischen Präsidenten Lech Kaczyński und seiner Ehefrau Maria viele hochrangige Persönlichkeiten, dazu gehörten die beiden Vizemarschälle des Sejm,  Putra und Szmajdziñski, der Vizemarschall des Senats, Bochenek, der Kanzleichef des Präsidenten Stasiak, der Chef des Büros für nationale Sicherheit Szczyglo, der Staatssekretär in der Präsidentenkanzlei Wypych, weitere hochrangige Mitarbeiter des Präsidenten, der Protokollchef des Außenministeriums, zwei Vizeminister, der Präsident der Polnischen Nationalbank Skrzypek, der Sprecher im Parlament für Bürgerrechte, Kochanowski,  der Chef des Büros der Nationalen Sicherheit, Szczyglo.

Unter den Opfern befinden sich 14 Sejm-Abgeordnete und Senatoren des polnischen Oberhauses, der Vorsitzende des Rats zum Schutz des Gedenkens der Opfer von Krieg und Verfolgung, PrzewoŸnik, der Vorsitzende des Polnischen Olympischen Komitees Nurowski, 9 hochrangige Vertreter der katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirche, der Generalstabschef der bewaffneten Streitkräfte General G¹gor, der Leiter des Operationsstabes der Armee, General  Kwiatkowski, der Chef der Luftstreitkräfte, General B³asik, der Chef der Landstreitkräfte, General Buk, der Chef der Spezialstreitkräfte, General Potasiñski, der Chef der Seestreitkräfte, Vizeadmiral Karweta und der Chef der Warschauer Garnison, General Gilarski, die Obersten Militärgeistlichen der Katholischen Kirche, der evangelischen Kirche, und der orthodoxen Kirche, darunter der katholische Militärbischof Tadeusz Ploski.

Es starben 15 Vertreter der Familien der Katyn-Opfer und 23 weitere Vertreter des gesellschaftlichen Lebens, darunter Solidarnosc-Mitbegründerin Anna Walentynowicz. Wie übrigens die „Gazeta Wyborcza“, Warschau, vom 12. April 2010 berichtete, hatte auch  der jüdische Oberrabbiner Michael  Schudrich als hochrangiger Vertreter der jüdischen Gemeinde von Polen eine Einladung und sogar eine eindringliche Bitte von Präsident Kaczyński erhalten, mit der Delegation nach Katyn zu fliegen. Wegen des Sabbatfestes hat Michael  Schudrich diese Einladung jedoch nicht wahrnehmen können und abgelehnt, da während dieses Festes Bürgern jüdischen Glaubens längere Reisen nicht gestattet sind. Unter den ums Leben gekommenen befand sich auch General G¹gor, polnischer Generalstabschef, der an vorderster Stelle stehende Kandidat auf den höchsten NATO-Posten. Er sollte nämlich turnusgemäß Oberkommandierender der NATO-Streitkräfte werden.

Um die Person von Lech Kaczyński ranken sich eine Reihe von Spekulationen. Er war sowohl in Polen als auch in der EU in vielerlei Hinsicht umstritten. Man denke nur daran, dass er als Staatspräsident in einer Art konträren Kohabitation mit dem Ministerpräsidenten Tusk regieren musste und zudem auch wegen der Unterzeichnung des Lissabonner EU-Reformvertrages ernste Streitereien ausgefochten hat. Es kam deswegen zur Kraftprobe mit Regierungschef Tusk.  Lech Kaczyński verlangte Garantien, um künftige Änderungen an den auf dem EU-Gipfeltreffen im Juni und Dezember 2007 zu Gunsten von Polen verabschiedeten Regelungen auszuschließen. Dazu gehörte, dass Polen eine Verlängerung des Abstimmungsmodus  im EU-Ministerrat nach dem Vertrag von Nizza bis 2014 und in einigen Punkten die Nichtanwendung der EU-Grundrechtescharta aus dem Jahr 2000 zugestanden wurde.

Das betraf u.a. den Ausschluss von Rückübertragungs- und Entschädigungsforderungen von sog. Vertriebenen gegenüber Polen. Kaczyński war auch voll in den Parteienstreit in Polen hineingezogen. Lech Kaczyński und sein Bruder Jaros³aw Kaczyński vertraten bzw. vertreten die 2007 abgewählte PiS (Partei Recht und Gerechtigkeit). Der neu gewählte Regierungschef Tusk vertritt die PO (Liberal-Konservative Bürgerplattform).

Für das schwere Flugzeugunglück, bei dem es keine Überlebenden gab, wurde Polen überall auf der Welt aufrichtige Anteilnahme an seinem Tode seines Staatspräsidenten Lech Kaczyński bekundet.. Besonders schwer hat der neu gewählte ukrainische Präsident Janukowitsch den Tod von Lech Kaczyński empfunden. Er hielt eine besonders zu Herzen gehende Rede der Anteilnahme und erklärte in Würdigung von Lech Kaczyński und der anderen Flugzeugopfer den 12. April per Präsidentenerlass zum nationalen ukrainischen Trauertag. Dieser wurde auch würdevoll entsprechend den Weisungen von Janukowitsch begangen.

Immerhin soll es Lech Kaczyński gewesen sein, der nach dem 17. Januar und auch nach dem 7. Februar 2010 entschieden das Ansinnen zurückwies, von Warschau aus so etwas wie eine neue „orange Revolution“ zur Verhinderung der Wahl und des Amtsantritts von Janukowitsch zu unterstützen oder sich deswegen gar militärisch in der Ukraine einzumischen. Lech Kaczyński soll in Gesprächen mit dem Vorgängerpräsidenten Juschtschenko, der schon im ersten Präsidentenwahlgang mit nur 

5,45 % der Stimmen gescheitert war, als auch mit Frau Timoschenko, die am 7. Februar 2010 Janukowitsch in der Stichwahl mit 3 Prozentpunkten Abstand unterlag, auf die strikte Einhaltung der demokratischen Regeln und der Wahlgesetzgebung gedrungen haben. Das soll dazu beigetragen haben, dass es nicht zur Wiederholung des Szenarios von Dezember 2004 kam, als zusammen mit anderen Staatsoberhäuptern und politischer Prominenz aus NATO-Staaten auch der damalige polnische Präsident Aleksander Kwaœniewski in Kiew aufkreuzte, um mit geballter Kraft auch von außen den Wahlsieg von Janukowitsch zu Gunsten von Juschtschenko für ungültig erklären zu helfen.

Bekanntlich kam es Ende Dezember 2004 zu einer Wiederholungsstichwahl, bei der dann der Wunschkandidat des Westens gewann.  Im Februar 2010 gewann aber Janukowitsch bei der Präsidentenwahl einen eindeutigen Sieg, der auch vom  Verfassungsgericht und Oberverwaltungsgericht bestätigt wurde.

 

Katyn-Wahrheit und Mythos - einige Feststellungen zum angeblichen Massenmord an der polnischen Elite unter Stalin

 

Am 13. April 1943, unmittelbar nach der vernichtenden Niederlage der Hitlertruppen in Stalingrad und im Südabschnitt der Ostfront, meldete der deutsche Rundfunk, Soldaten der Wehrmacht hätten bei Katyn, nahe Smolensk, Massengräber mit polnischen Offizieren  entdeckt. Merkwürdig war, dass man das so kurz nach der vernichtenden Niederlage bei Stalingrad und im Südabschnitt der faschistischen Front aufgedeckt haben wollte. Das betreffende Gebiet war von den faschistischen Truppen schon im August/September 1941 erobert und besetzt worden! Hinweise auf begrabene Leichen hatten die deutschen Truppenkommandeure von der ansässigen Bevölkerung laufend während eines Zeitraums von eineinhalb Jahren  erhalten. Doch erst im April 1943 will man das zur Kenntnis genommen haben.

Eine seinerzeit von der deutschen Reichregierung beauftragte Schweizer Ärztekommission fand dann die Massengräber mit 4363 Leichen, von denen 2730 als polnische Offiziere identifiziert wurden, die angeblich 1939 in sowjetische Gefangenschaft geraten waren. Von der Goebbels-Propaganda wurde damals mit großem Tamtam in die Welt gesetzt, dass der sowjetische NKWD einen Massenmord durchgeführt hätte. Und man machte daraus in der antisowjetischen Propaganda sogar einen „Mord an zehntausenden polnischen Offizieren und Beamten“. Die Sowjetregierung wies diesbezügliche Beschuldigungen einer Täterschaft sowjetischer Organe sofort entschieden zurück und beschuldigte die Deutschen, die wahren Täter zu sein. Die damaligen westlichen Alliierten der Sowjetunion schlossen sich dieser Darstellung an, weil sie den Fakten und Indizien nach der Wahrheit entsprach. Auffällig war damals der ganzen Weltöffentlichkeit z. B. allein schon der Fakt, dass die deutschen Nazis erst nach ihrer vernichtenden Niederlage bei Stalingrad und im Südabschnitt der Ostfront, als sich ihre totale Niederlage abzeichnete, die Gräuel von Katyn den sowjetischen Organen unterschoben. Sie versuchten damit von ihren eigenen Kriegsverbrechen, die ab diesem Zeitpunkt in großem Umfang aufgedeckt wurden, abzulenken.

Erst ab 1952, als der Kalte Krieg gegen die Sowjetunion voll angelaufen war, übernahmen auch westliche Regierungen und die NATO die Goebbels-Version.

Nach der Wiederbefreiung des Gebiets um Katyn in der Nähe von Smolensk durch die Rote Armee 1944 wurde diese Frage von internationalen Kommissionen gründlich untersucht. Auf Grund des Beweismaterials u.a. der Leichenobduktionen kam man zu dem eindeutigen Schluss, dass es sich bei den Katyn-Morden um Verbrechen der deutschen Okkupanten und ihrer Helfershelfer gehandelt hat. Bewiesen wurde das u. a. durch den Nachweis, dass die gefundenen Opfer alle mit deutschen Waffen und deutscher Munition erschossen worden waren. Bei den Opfern wurde Dokumente gefunden, die eindeutig der Besatzungszeit der Faschisten zugeordnet werden konnten. Auch die Verwesungsmerkmale der Toten wiesen auf den Zeitraum ab August 1941 bis 1942, also auf die Besatzungszeit, nicht auf vorherige Zeitpunkte, schon gar nicht auf das Jahr 1940 hin, in dem der Katynmord angeblich stattgefunden haben soll. In Verhören gestanden deutsche SS- und Wehrmachtsoffiziere und auch ukrainische und belorussische Nazi-Kollaborateure, dass die Nazis die Täter waren.

Aber von polnischer Seite wurde später nach 1990 die Beweislast umgedreht. So wird behauptet, dass der NKWD mit deutschen Importwaffen ausgerüstet gewesen wäre, was aber wiederum durch sowjetische und russische Quellen widerlegt wurde. Die Polen übten auch Druck auf den damaligen sowjetischen Präsidenten Gorbatschow aus, er möge doch die Schuld der Sowjetunion an diesen Morden eingestehen und die Stalin-Schergen als die Täter benennen und unter Anklage stellen. Doch es gab und gibt keine beweisfähigen Dokumente, die eine sowjetische Täterschaft beweisen und es gibt bis heute auch keine Zeugen aus den Reihen der NKWD oder der Roten Armee, die die Nazi-Behauptungen vom Katyn-Mord belegen. Es gab aber 1943/1944 viele Zeugen, die bestätigten, dass das Katyn-Verbrechen von den Nazis begangen wurde. Der Fakt, dass 1943 von der Schweizer Ärztekommission Leichen mit Genickschuss aufgefunden wurden, ist kein Beweis für eine Täterschaft des sowjetischen NKWD. Dieser Hinrichtungsmethode bedienten sich u.a. auch die im Dienste der deutschen Okkupanten stehenden ukrainischen  Bandera- und Schuchewitsch-Banden. Roman Schuchewitsch war der Stellvertreter des Kommandeurs des berüchtigten Bataillons „Nachtigall“, sowie Führer des 201. Schutzmannschafts-Bataillons - einer ukrainischen Polizeitruppe- im Rang eines SS-Hauptsturmführers und dann Kommandeur der ukrainischen Aufständischen-Armee (UAP). Die Beteiligung des Bataillons „Nachtigall“ sowie des 201. Schutzmannschafts-Bataillons an den Katyn-Morden konnte schon 1944 nachgewiesen werden. Dazu wurden mehrere Kommissionen, auch mit internationaler Besetzung, eingesetzt.

Nun gibt es die polnische Gegenversion, die auf der Nazi-Version beruht, und die sich im Grunde nur einer Version bedient, die juristisch nicht klar nachvollziehbar ist. Demnach hätten am 5. März 1940 Josef Stalin, sein NKWD-Chef Berija sowie Molotow, seinerzeit Vorsitzender des Rats der Volkskommissare der UdSSR, sowie Kalinin, Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, ferner die Politbüromitglieder Kaganowitsch und Mikojan entschieden, 25 700  polnische Bürger, darunter ein Großteil polnischer Offiziere, als verbissene und unverbesserliche Feinde der Sowjetregierung zu erschießen. Von 3. April bis 14. Mai  1940 seien diese nach polnischer Version von Kozielska, Starobielska und Ostaszkowa an die Vernichtungsorte verbracht worden. Was dabei bis heute merkwürdig blieb, ist, dass man von Opferzahlen weiß, aber in den meisten Fällen nicht benennen konnte und  kann, wer diese Opfer mit Namen und Adresse waren. Von den angeblich Ermordeten ist fast keiner authentisch mit Name und Adresse identifiziert. Und selbst da, wo man Namen und Adresse benannt hat, blieben die Angaben oft diffus.  Schon die Nazis teilten seinerzeit so gut wie keine Namen und Adressen von ausgegrabenen Opfern mit. Die angeblichen Opfer gelten bis heute überwiegend auch im juristischen Sinne als unbekannt verschollen. Man weiß nur ungefähr, wer in sowjetische Gefangenschaft geriet. Das waren aber etwa 180 000.

Nun ist es richtig, dass Stalin 1940 von der Existenz von antisowjetischen Feinden unter Polen ausging, die in Gebieten lebten, die ab dem 17. September 1939 der Ukrainischen und Belorussischen Sowjetrepubliken angeschlossen worden waren. Das galt auch für eine Reihe der etwa 180 000  polnischen Kriegsgefangenen, die beim Einmarsch der Roten Armee ab dem 17. September 1939 in die Hände der sowjetischen Truppen fielen. Zeugen sagen bis heute aus, dass die Rote Armee diese Kriegsgefangenen nach den Regeln der Genfer Konvention behandelte und sie auch schon oft kurzfristig freiließ. Bisweilen beließ man ihnen den Status als Militärformationen. Bei Freilassung wurde ihnen sofort Arbeit vermittelt, die sie frei auswählen konnten.

Probleme hatte die Sowjetregierung mit der Polnischen Exilregierung in London, die sich in Fortsetzung des deutsch-polnischen Krieges im Kriegszustand mit Deutschland, aber  ab dem 17. September 1939 auch in einer Art Kriegszustand mit der UdSSR betrachtete. Und diese polnische Exilregierung erhob Anspruch auf Unterstellung aller Polen, gleich wo diese lebten, unter ihre Befehlshoheit. Das führte dazu, dass einige auf dem Gebiet der UdSSR lebenden polnischen Bürger ein Loyalitätsproblem bekamen. Einige meinten auch, von sowjetischem Boden aus in den militärischen Kampf ziehen oder in irgendeiner anderen Form gegen die Feinde Polens militant werden zu müssen. Die Sowjetregierung war aber zu dieser Zeit darauf bedacht, jegliche Provokationen gegen das Großdeutsche Reich von sowjetischem Boden aus zu vermeiden. Sie schritt zu diesem Zwecke auch strafrechtlich ein, wenn Gesetze oder Anweisungen in dieser Richtung nicht befolgt wurden. Bezüglich straffällig gewordener Polen gibt es dokumentierte Gerichtsurteile, teils mit der Verhängung der Höchststrafe. Das betrifft aber nicht Tausende. Massenhinrichtungen sind nicht dokumentiert. Die Praxis, Polen, am Kampf gegen Hitlerdeutschland zu hindern, änderte sich erst mit dem Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941.

Jetzt gestattete Stalin auch vielen Polen, darunter polnischen Kriegsgefangenen mit General Anders, über den Iran an die Afrikafront zu ziehen und dort die englischen Verbände zu verstärken, die gegen die italienischen und deutschen Truppen kämpften und die unter dem Befehl von Rommel standen. Andererseits begann die Sowjetregierung auch Polen in polnischen Armeeeinheiten zu rekrutieren, die auf der Seite der Roten Armee gegen die faschistischen Aggressoren kämpften. Es gab auch Polen, darunter auch gefangen genommen polnische Offiziere, die zu antisowjetischen Aktivitäten, Sabotagehandlungen bis zu Terrorakten übergingen. Auch deswegen gab es seitens der sowjetischen Sicherheitsorgane Verhaftungen und auch gerichtliche Verurteilungen bis zu Todesurteilen, die aber keine Größenordnungen von Tausenden erreichten. Bekannt ist auf der anderen Seite, dass die faschistischen Okkupanten auf sowjetischen Boden nicht nur Hunderttausende von  Juden, Russen, Ukrainern und Angehörige anderer Nationalitäten  ermordeten, sondern auch Zehntausende von Polen, die sie u.a. bei Katyn im wahrsten Sinne des Wortes verscharrten.

Katyn ist bis heute ein umstrittenes Problem, bei dem Aussagen gegen oft völlig konträre Aussagen stehen. Deswegen kann man mit Fug und Recht vom Mythos von Katyn sprechen.

Wir haben hiermit versucht, etwas Erhellendes zu den damaligen Ereignissen beizutragen.

Quellen:

gazeta wyborcza und wyborcza.pl Wiadomosci:

http://wiadomosci.gazeta.pl/Wiadomosci/1,80273,7752563,Lista_ofiar__prezydenckim_TU-154_lecialy

http://wyborcza.pl/1,75248,7761041,Rotfeld_Gen_Gagor_mial_zostac_Naczelnym_Dowodca_Sil.html

http://wyborcza.pl/katyn/0,0.html

http://www.president.gov.ua/documents/10850.html

Friedeman Bedürftig, Lexikon Drittes Reich, Piper-Verlag München Zürich, Seite 187.



Quelle: die Autoren

Originalartikel veröffentlicht am 22.4.2010

Über die Autoren

H-J Falkenhagen u. Brigitte Queck sind mit Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt, assoziierte Autoren. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autoren als auch die Quelle genannt werden.

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IM BAUCH DES WALFISCHES: 22/04/2010

 
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