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29/10/2020
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Ein Geburtstagsgeschenk


AUTOR:  Uri AVNERY àåøé àáðøé

Übersetzt von  Ellen Rohlfs


GESTERN GING ich zur Klinik, um eine Spritze zu bekommen. Es war ein scher Tag, sonnig, aber nicht zu hei゚. Der Weg zur Klinik hin und zur・k,  einschlie゚lich des Wartens benigte nur etwas mehr als eine Stunde. W臧rend dieser Zeit machte ich folgende Erfahrungen:

Der Taxifahrer erz臧lte mir, er habe vor Jahren neben Asher Yadlin gelebt, der Mann einer greren Korruptionsaff舐e in den 70er-Jahren, die von meinem Magazin Haolam Hazeh aufgedeckt wurde. Цie erschrocken waren wir damals!・erkl舐te er, жir glaubten nicht, dass solch eine Sache mlich sei! Und was geschieht heute!?・Er meinte damit den Skandal rund um das riesige Holyland-Hausprojekt in Westjerusalem,  in den ein fr・erer Ministerpr舖ident, zwei fr・ere B・germeister, einige Gesch臟tsmagnaten und ranghohe Beamte  verwickelt sind ・eine Bestechungsaff舐e, die hundertmal grer ist als das  damalige Yadlin-Gesch臟t.
W臧rend ich in der Klinik  wartete, wurde ich von einem alten Mann angesprochen (der ・wie sich herausstellte - ein Jahr j・ger  als ich ist ), eine schm臘htige Person, die eine Golfm・ze trug, und die anfing, mir ihre Lebensgeschichte zu erz臧len. Иch k舂pfte im Warschauer-Ghetto-Aufstand,・fing er an. Ich versuchte, wegzukommen, aber bevor ich einen Ausweg fand, war ich von seiner Geschichte gefangen.

Als der Ghetto-Aufstand 1943 begann, lebte er gegen・er der Wohnung des legend舐en F・rers Antak Zuckermann in der ber・mten Millastra゚e. Er war damals kaum 18 Jahre alt. Irgendwie ・erlebte er  und geriet (ich wei゚ nicht wie) in das  Warschauer Zentralgef舅gnis, in dem die Deutschen jeden Tag Leute exekutierten. Da es zu  jener Zeit  keine Juden mehr gab, waren die Opfer Polen ・Priester und Mitglieder der Intelligenzija.

Im August 1944, als der gro゚e Aufstand in Warschau ausbrach, befreiten ihn die Rebellen aus dem Gef舅gnis. Von ihnen gab es zwei Arten:  die rechte Fraktion - die Heimatarmee -  die antisemitisch eingestellt war und die linke, die aus Sozialisten und Kommunisten bestand. Jachek (wie er damals genannt wurde) wurde von den Rechten befreit, aber sie behandelten ihn gut, gaben ihm ein Gewehr und eine rot-wei゚e Armbinde.

Die polnischen Aufst舅dischen kooperierten nicht mit den Russen, die schon in der N臧e waren (Тie hassten die Russen mehr als die Deutschen・ kommentierte Jachek.)  Stalin stoppte sein Milit舐, und die Rebellen waren gezwungen, sich nach 63 Tagen Kampf den Deutschen zu ergeben. Jachek und ein anderer j・ischer Junge fanden in dem zerstten Ghetto einen Bunker, wo sie sich 10 Monate ・bis zur Ankunft der Roten Armee -  unter der Erde verstecken konnten.

All dies erz臧lte er mir, w臧rend wir dort warteten, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von meinem entfernt, seine hellblauen Augen verrieten seine Frustration, seine Geschichte in dieser Art zu erz臧len, wozu er sonst Stunden benigt. Ich war froh, als ich hte, jemand w・de ein Buch ・er ihn schreiben.

Mittendrin n臧erte sich uns ein  etwa 60j臧riger Mann und erz臧lte mir, dass er mich zweimal gew臧lt h舩te. Нicht dass ich mit allen Ihren Ansichten ・ereinstimme,・bekannte er,・aber ich wollte, dass intelligente Leute in der Knesset sitzen.・nbsp; Ich muss zugeben, dieses Motiv war mir neu.

Bevor ich nach Hause ging, betrat ich noch ein Gesch臟t in der N臧e. Dort traf ich eine Frau, die ich von vor 40 Jahren kannte, als ihr Mann der Manager des Кammer-Quartetts・war, vielleicht die hervorragendste Satiregruppe in der Geschichte Israels. Ihr Schwager, Yehiel Kadisai, war der treue Sekret舐 von Menachem Begin. Er war f・ seine totale Ergebenheit  gegen・er seinem F・rer bekannt ・nicht wegen  irgendeines perslichen Gewinns. Wir verglichen das Israel von damals mit dem Israel von heute.

Der Taxifahrer, der mich dann nach Hause fuhr, erz臧lte mir, er sei k・zlich aus Las Vegas zur・kgekehrt. Er war in die USA gekommen, weil seine Frau f・ Benjamin Netanjahu arbeitete, als er Botschafter Israels bei der UN war. Nachdem er einige gl・kliche Jahre in der Hauptstadt des Gl・ksspiels gelebt hatte, entlie゚ die Gesellschaft, f・ die er arbeitete, 17 000 Besch臟tigte auf einen Schlag. Er war sieben Monate arbeitslos. Als er wegen einer Hochzeit in der Familie nach Israel zur・kkam, sah er, dass die israelische Wirtschaft bl・te. So entschied er sich, vorl舫fig hier zu bleiben.  Eine israelische Flagge  wehte ・er seinem Taxi, und er klang 舫゚erst zufrieden.


DIES SIND zuf舁lige Beispiele von Israelis am Vorabend des Unabh舅gigkeitstages 2010.
Erinnerungen an den Holocaust, Nostalgie nach einem unschuldigeren Israel, Wut ・er Korruption, Zufriedenheit mit der israelischen Wirtschaft, die in einer Zeit bl・t, w臧rend die ganze Welt in einer Wirtschaftskrise steckt. Kein einziges Wort ・er Frieden. Kein einziges Wort ・er die Besatzung.

Wenn ich diese Leute gefragt h舩te, was sie  dar・er denken, w・de ich wahrscheinlich ein und dieselbe Antwort von allen bekommen haben: Frieden ist eine gute Sache. Wir wollen Frieden. F・ Frieden  w舐en wir bereit,  besetzte Gebiete aufgeben, ja sogar Ost-Jerusalem und zur Hle mit den Siedlungen! Aber was tun?  Wir haben keinen Partner. Die Araber wollen keinen Frieden. Deshalb wird es keinen Frieden geben ・nicht morgen, nicht in zehn, nicht in f・fzig Jahren. Da kann man nichts tun. So ist es nun mal.

Wenn ich dieselbe Stunde in  臧nlicher Gesellschaft in Ramallah verbracht h舩te, w・de ich wahrscheinlich sehr 臧nliche Antworten erhalten haben. Bittere Erinnerungen an die Nakba, Zorn ・er die Korruption in den oberen Kreisen, vielleicht sogar  etwas Befriedigung ・er die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in der Westbank. Und kein bisschen Glaube an Frieden. Da kann man nichts tun. So ist es nun mal.・/P>

Wenn Barack Obama und seine Mitarbeiter die Absicht haben, mit ernsthaften Friedensbem・ungen anzufangen, wie es jetzt scheint, dann sollten sie folgendes bedenken: bevor sie sich an die schwierigen Probleme des Friedenstiftens machen, muss  auf beiden Seiten die gro゚e Skepsis gegen・er dem Frieden ・erwunden werden.  Jede Seite ist vollkommen davon ・erzeugt, dass die andere Seite keinen Frieden will, und sie bringt ein Dutzend Beweise aus dem wirklichen Leben.

Dieser Mangel an Glauben ist das Ergebnis von 120 Jahren Konflikt, eine endlose Kette von Gewalt,   Kriegen und Krisen, f・ die jede Seite die andere verantwortlich macht. Die Pal舖tinenser sehen die Israelis als landraubende Diebe, die Israelis sehen die Araber als Kannibalen mit Messern zwischen ihren Z臧nen .

Dieser Mangel an Glauben ist auch sehr bequem. Wenn es keine  Chancen gibt, besteht keine Notwendigkeit, etwas zu tun. Kein Grund aufzustehen, zu handeln, zu demonstrieren, etwas zu 舅dern. Es kann nichts gemacht werden. So ist es eben.


VOR EINIGEN Tagen verfentlichten zwei amerikanische Perslichkeiten ein wichtiges Dokument.

Zbigniew Brzezinsky war der nationale Sicherheitsberater von Pr舖ident Jimmy Carter.
Er wurde als Falke angesehen, aber vor allem war er ein Realist. Er spielte eine bedeutende Rolle, in der er China n臧er an die USA brachte,  in der er  die Mujaheddin in Afghanistan gegen die sowjetischen Eindringlinge bewaffnete, indem er einer der Gastgeber bei der Camp David Konferenz 1978 war, die die Grundlage f・ den israelisch-臠yptischen Frieden legte. Dort spielte er Schach mit Begin. (Vielleicht haben sie mit einander polnisch gesprochen). Vor einigen Jahren rief er Pr舖ident George W. Bush dazu auf, die amerikanische Politik im Nahen Osten zu ver舅dern, wozu auch eine Ver舅derung der negativen Haltung gegen・er der Hamas geht.

Stephen Solarz war ein Kongressmann. Ein j・ischer New Yorker, der auf ausl舅dische Beziehungen spezialisiert war. Er spielte eine Rolle bei den amerikanischen Beziehungen mit Nord-Korea und den Philippinen. Vor vielen Jahren hatte ich  mit ihm ein Gespr臘h  und war von seinem emotionalen Engagement f・ den israelisch-pal舖tinensischen Frieden beeindruckt.

Wenn zwei solche Perslichkeiten gemeinsam ein Manifest verfentlichen, m・sen Sie in den USA Aufmerksamkeit wecken. Aber der Inhalt des Dokumentes ist nicht weniger bedeutend als die Identit舩 der Autoren.

Die beiden machen einen praktischen und detaillierten Vorschlag, der die folgenden Schritte einschlie゚t:

     Pr舖ident Obama wird nach Jerusalem kommen und sich direkt  von der   
     Rednertrib・e aus in der Knesset an die israelische ヨffentlichkeit wenden.

    Er wird dasselbe in Ramallah tun und sich an die pal舖tinensische ヨffentlichkeit wenden.

    Er wird eine Rede in der Altstadt von Jerusalem halten und sich an alle Vker im Nahen
    Osten wenden.

Bei all diesen Reden wird Obama einen amerikanischen Friedensplan vorlegen.


ICH GLAUBE, dass dies eine ausgezeichnete Idee  ist (und nicht nur  weil Pr舖ident Anwar Sadat von トgypten den ersten Schritt mit betr臘htlichem Erfolg machte, und nicht nur, weil ich vor einigen Monaten vorgeschlagen hatte, Obama  solle eine Rede in der Knesset halten.) Es ist vern・ftig, praktisch und realisierbar.

Seit vielen Jahren glaube ich, dass es keinen Ersatz f・ einen direkten Dialog gibt ohne eine dritte Partei. Frieden ist der Rahmen zum Leben f・ beide Vker, und allein der Mechanismus des Friedenmachens kann viel zu ihrer Versnung beitragen. Wenn  au゚erdem eine dritte Partei beteiligt ist, wendet sich jede Seite an sie und nicht an den Gegner. Au゚erdem radikalisieren beide Seiten ihre Positionen, um etwas zu haben, das sie bei einem Kompromiss aufgeben knen.

Die Oslo-Erfahrung hat dies bewiesen. Das Abkommen hatte hinter dem R・ken der Amerikaner und der ganzen Welt in direkten Gespr臘hen  ohne Vermittler stattgefunden. Die Norweger agierten nur als diskrete Gastgeber. Die Geschichte brachte zwei tapfere F・rer zusammen ・Yasser Arafat und Yitzhak Rabin ・die f臧ig gewesen w舐en, den wirklichen Frieden voran zu bringen.

Doch er misslang. Wenn eine Seite  viel st舐ker als die andere ist, ist die st舐kere Seite versucht, ihren Willen durchzusetzen. Rabin wurde fentlich ermordet und Arafat starb unter Umst舅den, die kaum Zweifel lassen, dass auch er ermordet wurde. Das gro゚e Experiment schlug fehl und lie゚ eine Situation zur・k, die schlimmer als die vorherige war. In solch einer Situation ist das Engagement einer dritten Partei ・der USA ・notwendig.

Man spricht von einem ・ufgezwungenen Frieden・ Aber das ist nicht der richtige Ausdruck. Es ist unmlich, Vkern Frieden aufzuzwingen, die es nicht wollen. Bestenfalls f・rt dies zu einer Unterschrift auf einem St・k Papier, das keine Chance hatte, erf・lt zu werden.

Die Aufgabe der USA ist, nicht ・aufzuzwingen・ sondern zu ・berzeugen・nbsp; - und ich ben・ze das Wort nicht zynisch.

Zu ・erzeugen bedeutet: die israelische und pal舖tinensische ヨffentlichkeit zu der ワberzeugung zu f・ren, dass Frieden mlich ist, dass die andere Seite ihn auch nig hat, dass jemand  daf・ sorgen wird, dass die Bedingungen eingehalten werden, dass jemand ihre Sicherheit in der n臘hsten Zeit und auf Dauer garantieren wird. Und der wichtigste Punkt: dass jede Partei davon nur profitieren wird.

In Israel wird Obama die realen トngste eines vom Holocaust gezeichneten Volkes ber・ksichtigen m・sen und den Samen der Hoffnung wieder einpflanzen, um den Glauben aufzubauen, dass es f・ Israel in der Familie der Nahostnationen einen Platz gibt, die ワberzeugung best舐ken, dass die US Israel bei zuk・ftigen Krisen nicht im Stich lassen wird,  aber auch Israel  vor den  ernsten Gefahren warnen, denen es gegen・ersteht,  wenn  die Zweistaatenlung nicht sehr bald realisiert wird.

In Pal舖tina wird er die トngste eines von der Nakba traumatisierten und  von der Besatzung gesch臈igten Volkes ber・ksichtigen m・sen; die Realisierung der Hoffnung der Pal舖tinenser versprechen: die Unabh舅gigkeit innerhalb von zwei Jahren zu erreichen;  dass die USA keine ethnische S舫berung zul舖st, aber auch auf die existentielle Gefahr hinweisen, die sie bedroht, wenn der Staat Pal舖tina nicht bald neben Israel Realit舩 wird. Er muss auch das Veto der USA  aufheben, das einer Fatah-Hamas-Versnung auferlegt wurde.

Obama muss beiden Vkern einen fairen, ausbalancierten  und realistischen Friedensplan vorlegen, der in die kleinsten Details geht, und mit einem vern・ftigen doch festgesetzten Zeitplan, einem Plan, der jeder Seite erlaubt, zu behaupten, den Sieg errungen zu haben.

Obama ist ein Mann mit vielen Talenten,  vor allem aber hat er die F臧igkeit zu ・erzeugen. Er ist in der Lage, die  tiefen Emotionen der Leute und der Vker anzur・ren. Ich hoffe, er ben・zt dieses Talent zugunsten der beiden seit langem leidenden Vker dieses gequ舁ten Landes.

Zum 62. Jahrestag der Gr・dung des Staates Israels knte ich mir kein scheres Geschenk vorstellen.


Quelle: מתנת יום הולדת - A Birthday Present

Originalartikel verfentlicht am 17.4.2010

ワber den Autor

Ellen Rohlfs ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem internationalen ワbersetzernetzwerk f・ sprachliche Vielfalt. Diese ワbersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, da゚ der Text nicht ver舅dert wird und da゚ sowohl der Autor, die ワbersetzerin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
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KANAAN: 24/04/2010

 
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