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20/01/2021
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Wiederholungen und Propaganda: Das Spiel mit dem Feuer


AUTOR:  Hergen MATUSSIK


Auf der gegenwärtigen politisch-militärischen Bühne scheinen die Akteure, vor allem die der "westlichen Welt", alles daran zu setzen, die Konstellation vor dem zweiten Weltkrieg nachzustellen. So vergleicht einer der Paten der amerikanischen Außenpolitik, "Zbig" Brzezinski die Ereignisse in Georgien mit Hitlers Vorgehen in der Tschechoslowakei 1938 und mit Stalins Vorgehen gegen Finnland (huffingtonpost.com ;  welt.de). Damit stellt er sicher, daß die beliebtesten Schurken der jüngeren Geschichte rechtzeitig für die nötigen Vergleiche zur Verfügung stehen. 


Rußland setzt der vom Westen, vor allem den USA unterstützen georgischen Aggression gegen Süd-Ossetien ein Ende, indem es die georgische Armee ohne viel Federlesen in die Flucht schlägt - und wird dafür in der gesamten "etablierten" westlichen Presse (also dem Propagandaministerium der "freien Welt") als Aggressor dargestellt, der sich das "arme kleine Georgien" einverleiben will.

Völlig unbeeindruckt von Tatsachen - Raketenwerfer gegen Tshkinvali in der Nacht der Eröffnung der olympischen Spiele, mittlerweile über 2000 Tote als Folge dieses Überfalls, amerikanische Militär-"Berater" seit geraumer Zeit in Georgien, massive Waffenlieferungen durch USA und Israel an Georgien, sowie ökonomische Interessen, die nur einen Idioten in dem Glauben lassen können, es gehe in irgendeiner Form um Freiheit und Selbstbestimmung für Völker, deren Namen der durchschnittliche heutige Medienkonsument kaum aussprechen, geschweige denn lokalisieren kann - spult die amerikanische Seite ihre Kriegshetze ab  (Cheney: " ... must not go unanswered!"; Rice: "This is not Prague in 1968") und findet sich unterstützt von den übrigen Regierungen der NATO-Staaten, die sich immer unverkennbarer als imperialistisches Angriffsbündnis zum Zwecke globaler Hegemonie entpuppt. Entsprechend ihrer bekannten Haltung im Konflikt in Palästina und der bedenkenlosen Unterstützung Israels, übernehmen die Europäer weitgehend die amerikanischen Sprechblasen, lassen sie bestenfalls etwas milder klingen - was vielleicht daran liegt, daß sie durch eine militärische Auseinandersetzung als erste in Mitleidenschaft gezogen würden und immerhin noch einige Personen leben, die aus eigener Erfahrung wissen, was solches bedeutet.


- Der Abschaum der Menschheit, nehme ich an?
- Und habe ich nicht die Ehre mit dem blutigen Mörder der Arbeiter?
Karikatur von David Low im Evening Standard, nach dem deutschen Überfall auf Polen und dem gleichzeitgen Einmarsch der Roten Armee am 17.9.1939, als Folge des Hitler-Stalinpaktes

Quasi als Antwort auf das demütigende Ergebnis des verbrecherischen Angriffs Georgiens auf Süd-Ossetien verwirklichen Polen und USA ihren lange gehegten Plan und schließen das Abkommen über die Raketen(-“abwehr“)-Basen an der polnisch-russischen Grenze. Dies ist ein Vorgang, der von einigen Kommentatoren mit der Beistandsgarantie Englands an Polen vor Ausbruch des zweiten Weltkrieg verglichen wurde. Tatsächlich läßt sich eine gewisse Ähnlichkeit der Sachverhalte feststellen - und auch in der möglichen Konsequenz könnten sich Parallelen zeigen. England verlor als Konsequenz des folgenden Konflikts sein Weltreich (aus der Sicht der Eliten, die dieses Weltreich innehatten, mag es sich durchaus so darstellen, daß das Empire mitnichten verlorenging, sondern nur umgestaltet und modernisiert wurde). Möglich, daß die offensichtlichen Bemühungen der USA und ihrer Verbündeten, sich zusätzlich zu Afghanistan und Irak als aktuellen Krisenherden und Kriegsschauplätzen auch noch Iran (und in der Folge den gesamten Nahen Osten), sowie  kriegerisch verhärtete Fronten in der Mitte Europas aufzuhalsen, ähnliche Folgen hat: Ein unkontrollierbarer Konflikt und das Ende des "amerikanischen Jahrhunderts", noch ehe es richtig begonnen hat. 

Dazu kommen dann noch der nur scheinbar gelöste Konflikt im Kosovo und die daraus resultierende Demütigung Serbiens, traditioneller Verbündeter Rußlands auf dem Balkan, das nuklear angereicherte Pulverfaß Pakistan  und die sorgfältig geschürte Angst vor islamischem Fundamentalismus, die "Option" Nuklearschlag und Krieg gegen Iran, und schließlich die gigantische Verschuldung der  "einzigen Supermacht" mit der möglichen Folge ihrer Zahlungsunfähigkeit (= Pleite) und der insgesamt besorgniserregende Zusand des internationalen Finanzsystems. Vor diesem Hintergrund ist das Szenario eines weltweiten Konflikts nicht so weit hergeholt. Und ein solcher Konflikt würde sicher zu weiterer "Neuordnung" der Welt (wahrscheinlich zusammen mit einer massiven Bevölkerungsreduzierung) verbunden sein. 

Wie schon 1939 ist es ein verdammtes Problem, den Eliten Einhalt zu gebieten, wenn sie anfangen mit dem Feuer zu spielen. (1939 war es nicht möglich, die Katastrophe zu verhindern.) Es wäre ein Schritt in die richtige Richtung, die NATO, die ihre Existenzberechtigung nach dem Ende der Sowjetunion verloren hat, endlich aufzulösen. Die Völker Europas sollten ihren Regierungen genau hierzu bewegen.

Das wäre auch eine schöne Bestätigung für das  so oft zitierten Selbstbestimmungsrechts der Völker!


Jemand nimmt jemanden auf Spaziergang mit. Britische Karikatur zum Hitler-Stalinpakt


Quelle: http://www.0815-info.de/News-file-article-sid-10359.html

Originalartikel veröffentlicht am 17. August 2008

Über den Autor

Hergen Matussik ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Dieser Artikel kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=5756&lg=de



DIE TLAXCALTEKISCHEN CHRONIKEN: 24/08/2008

 
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