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29/10/2020
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Aus algerischer Sicht

Der Westsahara-Konflikt: das 'Komplott' von Mohammed VI


AUTOR:   Mohammed Touati

Übersetzt von  Einar Schlereth


Marokko beschuldigt Algerien, auf Ban Ki-moon Druck auszuüben. Mohamed Touati, Ratgeber des algerischen Präsidenten Bouteflika in Verteidigungsangelegenheiten, beantwortet diesen Angriff.

Die marokkanische Zeitung ” Aujourd’hui le Maroc” kommentierte in ihrer Ausgabe vom 14.Februar 2009 die Informationen, die ihr von marokkanischen Quellen zugespielt wurden. ”Diplomatische Quellen haben der ALM (Aujourd'hui le Maroc) mitgeteilt, dass die algerischen Behörden dem Generalsekretär der UNO einen ”Ziegelstein” von 20 Seiten zugeschickt haben, in denen sie die  Begrenzung des Besuchs von Christopher Ross auf die Führer der Frente Polisario und ihnen  allein fordern.” Die marokkanische Presse ist von niemals gesehener fieberhafte Aktivität erfasst worden und macht sich zum Resonanzboden der Behörden von Rabat und aller Schmeichler des alauitischen Hofes.

Der Sonder-Botschafter des Generalsekretärs der UNO ist dabei, sich in den nächsten Tagen zuallererst nach Marokko zu begeben, bevor er die anderen Länder der Region besucht, um eine  5.  Verhandlungsrunde zwischen den Konfliktparteien, der Frente Polisario und Marokko, auf die Beine zu stellen. Christopher Ross will zweifelsohne die notwendigen Bedingungen und Garantien anbieten, um den Prozess eines Referendums zur Selbständigkeit in Gang zu setzen, der  es dem sahaurischen Volk erlauben wird, sich frei über seine Unabhängigkeit zu äussern..

Dies ist also das Resümee dessen, was die marokkanischen Behörden traumatisiert: die Abhaltung eines Referendums in der Westsahara. Das ist der Alptraum von Mohammed VI, der sich in seinen wildesten Träumen jenseits von Tindouf sieht. Die zu Unrecht angeklagten algerischen Behörden haben jedoch nur äusserst selten auf Erklärungen der marokkanischen Regierung reagiert. Sie haben stoisches Schweigen bewahrt, das jede Diplomatie, wert dieses Namens, erheischt. Insbesondere derjenigen, die sich zum Wortsprecher der Länder und der unterdrückten Völker macht. Wurde die algerische Hauptstadt nicht in den siebziger Jahren ”Algier, das Mekka der Revolutionäre” getauft? Die algerische Diplomatie hat niemals zu Schurkereien und Tücke gegriffen, um ihrer Stimme im Konzert der Nationen Gehör zu verschaffen. Sie hat sich im Maquis herausgebildet. Sie kannte den Preis des Opfers, und nur indem sie den Widrigkeiten Stirn geboten hat, ist sie erstarkt, nachdem sie ein Jahrzehnt des blutigen Terrorismus erlitten hat. Und genau dieses Moment hat sich Rabat ausgesucht, um die algerischen Behörden des Einverständnisses mit dem internationalen Terrorismus anzuklagen. Seither haben sich die Dinge verändert, aber die Strategie ist dieselbe geblieben. Es ist vollkommen richtig, wenn Algerien nicht all der Übel angeklagt wird, die das Scherifen-Königtum auflistet: der West-Sahara-Konflikt, die Drogen, die Schliessung der Grenzen ... eine wahre Paranoia, die das Königreich von Mohammed VI gegenüber Algerien entwickelt hat.

”Algerien hat sich wie gewohnt beeilt, seine Krallen zu zeigen, indem es versucht, Bedingungen für den Besuch des neuen UNO-Botschafters im Lager von Tindouf zu stellen”, fährt ”Aujourd'hui le Maroc” fort. Dies ist jedoch weit entfernt von dem Bestechungsversuch französcher Abgeordneter durch den Botschafter von Marokko in Paris (siehe ”L'Expression” vom 6. Oktober). Die algerische Position ist in der Frage der Entkolonialisierung der Westsahara eindeutig. Es handelt sich – nicht mehr und nicht weniger – um die Durchsetzung der Resolutionen des Sicherheitsrates hinsichtlich der Abhaltung eines Referendums zur Selbstbestimmung, und dass das sahaurische Volk frei über sein Schicksal entscheiden kan, was die Behörden von Rabat verweigern und auf ihren Autonomie-Plan verweisen. Und um das zu erreichen, greift ”Aujourd'hui le Maroc” ins Volle und fügt ohne Angst, sich lächerlich zu machen, hinzu: ”Der medialen und politischen Aufpeitschung, der sich Algerien widmet, setzt Marokko die Aufpeitschung der Ideen entgegen.”

Man könnte sagen, dass der mediale Lärm, den die marokkanische Presse um den Besuch von Cristopher Ross im Maghreb gemacht hat, zu Recht bestünde, wenn das Niveau nicht so niedrig wäre. Und wenn die West-Sahara-Angelegenheit seitens Rabat begriffen zu sein scheint, warum wurde dann der Abzug von Van Walsum mit heissen Tränen beweint? Später hat dieser in einem Interview gestanden, dass die marokkanische Presse seine Vorschläge verfälscht hatte. Damit wird die Wahrheit bezüglich der ”Glaubwürdigkeit” der marokkanischen Presse im West-Sahara-Konflikt zurechtgerückt. Auf diese Weise wird man Algerien nicht dazu bringen, seine Grenzen dem marokkanischen Königreich zu öffnen. Und was die West-Sahara-Frage angeht, so gehört das letzte Wort dem sahaurischen Volk.

   ”Die Sahauris haben ein Recht auf Selbstbestimmung”

Gabriel Neville, Chef  der amerikanischen Parlamentarier-Delegation ist gegenwärtig zu Besuch in Algerien und hat am Montag (17.2) in Algier seine Unterstützung des Rechts auf Selbstbestimmung des sahaurischen Volkes zugesagt. ”Das sahaurische Volk hat ein Recht auf Selbstbestimmung,” erklärte  Neville, Bürochef des republikanischen Kongress-Abgeordneten von Pennsylvania, Joseph Pitts, nach einer Unterredung mit dem zuständigen Minister für Maghrebinische und Afrikanische Angelegenheiten, Abdelkader Messahel. ”Wir haben seit 200 Jahren den Wunsch nach Unabhängigkeit gehabt, und das sahaurische Volk hat gleichfalls ein Recht auf  Selbstbestimmung,” erklärte Gabriel Neville. Der Chef der amerikanischen Parlamentarier-Delegation hat zudem  geäussert, dass die Unterredung  eine Gelegenheit geboten habe, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu beschwören, insbesondere in den Bereichen Wissenschaft und Kultur.

 


Christopher Ross zu Besuch im sahrawischen Flüctlingslager von Smara am 21.2.2009. Es war sein erster Besuch als Spezialbeauftragter von Ban Ki-Moon bei der Frente Polisario. ALFRED DE MONTESQUIOU/ AP Photo



Quelle: Le «complot» de Mohammed VI

Originalartikel veröffentlicht am 


Einar Schlereth ist ein Mitglied von
Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=7109&lg=de

 El "complot" de Mohamed VI


MUTTER AFRIKA: 22/02/2009

 
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