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18/01/2021
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Honduras – vor und nach dem Putsch


AUTOR:  Arnold AUGUST

Übersetzt von  Einar Schlereth


Die Frente Nacional  de Resistencia (Nationale Widerstandsfront) führt den tapferen Kampf des honduranischen Volkes. 70 Tage ohne Unterbrechung ist das Volk von Honduras aus allen Schichten der Bevölkerung der gewalttätigen Repression durch Militär und Polizei entgegengetreten. Friedlich trägt man seine Forderungen vor, mit einer schlüssigen und zunehmend raffinierteren Organisation. Sie umfassen die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung in Honduras und die Rückkehr von Präsident Zelaya. Je mehr die Situation sich entwickelt, desto dringender fordert man  eine verfassunggebende Versammlung, um die Verfassung und das Land neu zu gestalten. Man sagt, daß dies, ob Zelaya zurückkehrt oder nicht, der eigentliche Gegenstand des andauernden Widerstandes ist.

Jetzt, wo von den Putsch-Verantwortlichen Wahlen veranstaltet werden, hat die Frente Nacional de Resistencia dazu aufgerufen, die Wahlen zu boykottieren. Die Nicht-Anerkennung der Wahlen und die gleichzeitig weitergehende Massenbewegung in den Straßen für ein neues Honduras ist die wichtigste Phase in dem Kampf. Arbeiter und die Gewerkschaft der Angestellten, Frauengruppen, Bauern, Studenten, Intellektuelle und andere Schichten der Gesellschaft stehen alle an der Spitze. Die honduranischen Putschisten hoffen, den Putsch legitimieren zu können, indem sie Wahlen abhalten.


Colectivo Gráfico RuAn (Rubén Pérez Puig +Antón Romero Ces), Galizien, Spanien

Politische Kräfte ohne Verbindungen mit dem Militärregime schließen sich ebenfalls der Massenbewegung an. Der Widerstand hat so viel Prestige gewonnen, daß es ihm gelungen ist, den Zulauf einer breiten Reihe politischer Kräfte zu gewinnen. Zum Beispiel hat am 18. Juli  (vor über eineinhalb Monaten) in einem Interview mit Prensa Latinas Raimundo López der Präsidentenkandidat (damals) der Partido de Unificación Democrática (UD – Partei des demokratischen Zusammenschlusses) und gegenwärtiger Abgeordneter César Ham erklärt, daß es ”ein prä- und ein post-Honduras” gäbe. Seine Erklärung hat mit sehr wenig Worten die gegenwärtige Situation in Honduras auf den Punkt gebracht und liefert den historischen Kontext. Die UD hat sich der Frente Nacional de Resistencia in den Straßen angeschlossen. Tatsächlich wurden zwei führende Mitglieder der UD vom Militärregime ermordet. Am 31. August gaben, laut einem Bericht von Prensa Latina, Ham und andere UD-Mitglieder bekannt, daß sie die Wahlen boykottieren. Andere nicht-traditionelle und sogar einige Teile der traditionellen politischen Kräfte sagen dasselbe. ”Die Grasswurzelbewegung”, sagte Zelaya [wie The Nation vom 4. September 2009 berichtete], ”habe nur ein Ziel: die Umbildung von Honduras, einschließlich tiefer struktureller Veränderungen.”- ” Diese Bewegung ist sehr stark. Sie kan niemals zerstört werden”, sagte er.1  Am 5. September, als der Widerstand des Volkes gegen den Militärputsch 70 Tage gedauert hatte, analysierte die Frente Nacional de Resistencia ihre nächsten Aktionen.


Schluss mit Eurer Show! Die Musik Eurer Gewehre gefällt uns nicht -

Das post-Putsch Honduras hat sich jetzt der Bewegung angeschlossen, die sich wie ein Lauffeuer über Südamerika ausgebreitet hat, obwohl der gewählte Präsident Zelaya zur Zeit nicht im Lande ist. Die südamerikanische Grasswurzelbewegung ist ein Sturm zugunsten der Macht des Volkes und gegen die neoliberale Politik und die US-Vorherrschaft. Das Ziel ist, die Wahlurnen zu benutzen, um eine radikale Veränderung in ihren respektiven Ländern herbeizuführen. Die Wahl verfassunggebender Versammlungen und die Abfassung neuer moderner Verfassungen sind bereits in mehreren Ländern erreicht worden wie Venezuela, Bolivien und Ecuador. Weitere Länder wie Nicaragua, El Salvador und Paraguay, um nur einige zu nennen, haben den Weg zur Neubildung ihrer Länder beschritten. Kuba ist der Pionier, auch wenn die Veränderung unter völlig andersartigen historischen Bedingungen und mit anderen Mitteln stattfand. Der Triumph der Revolution 1959 und die anschließende vollständige Umbildung  haben ihre Wurzeln in der kubanischen Mambisi-Tradition des 19. Jahrhunderts. Neben anderen Charakteristika bestand sie aus Leuten, die ihre eigenen Verfassungen schrieben als eine Republik unter Waffen, als Kuba noch eine Kolonie Spaniens war.

Honduras war bekannt als ein Beispiel dessen, was die USA abschätzig und arrogant als Bananen-Republik bezeichneten. Honduras ist das drittärmste Land von ganz Südamerika und der Karibik. Honduras hat einen hohen Prozentsatz von Analphabeten wie es in Bolivien der Fall war vor der Wahl von Evo Morales und der Neu-Gründung des dortigen politischen Systems. Jedoch sind es die Völker von Hondudas, die Washington Lektionen geben in dem, was notwendig ist, und das ist eine neue, moderne Verfassung.


Javier Prado, Peru

Die politische und ökonomische Situation in den USA ist so schlecht, daß angesichts ihrer ungeheuren Auslandsverschuldung manche amerikanische Kommentatoren, ironisch natürlich, von den USA als einer Bananen-Republik sprechen. Die USA waren die Bühne für zwei gefälschte Wahlsiege unter der Bush-Familie. Und wie kommt es, daß ein Programm zur Gesundheitsreform zu einer stark geteilten Nation führt, wo die Bürger miteinander in Fehde liegen und rechte extremistische Gegner der Reform sogar mit Gewalt drohen? Während theoretisch Sklaverei und offizielle rassische Diskriminierung beseitigt wurden zugunsten von Bürgerrrechten, Rassismus nicht nur weit verbreitet ist, sondern in der Gesellschaft sogar zunimmt? Amerikaner mit Latino-Ursprung sind zunehmend Opfer rassistischer Angriffe durch die großen Medien, was auf die Gesellschaft abfärbt. Rassismus ist institutionalisiert. Selbst Präsident Obama ist Opfer rechter rassistischer Drohungen und Versuchen der Einschüchterung. Während es eine Bewegung gab, den Vize-Präsidenten Cheney anzuklagen (was niemals die Chance der Verwirklichung hatte) wegen Kriegsverbrechen und Lügen gegenüber seinen Mitbürgern, um sie in einen Krieg zu führen, gab es jetzt Gerüchte, daß Cheney ein Kandidat für die Wahlen 2012 sein könnte! Wenn Cheney sich nur als ein Nicht-Kandidat herausstellen sollte, so ist er jetzt führend an der Spitze für eine Rückkehr zur Politik der Bush-Ära. Die Washington Post unterstützt offen Folter und stimmt mit der Cheney-Position überein.2 Die vollständige Geschichte des 11. September wartet immer noch auf eine Aufklärung durch die US-Regierung. Die USA sind der größte Waffen- und Drogendealer in der Welt. All dies und noch mehr findet in einem unergründlichen Sumpf statt in Übereinstimmung mit und/oder in Verletzung der US-Verfassung.

Die Völker im Süden schreiten voran. Sollten die progressivsten und weitsichtigsten Teile der amerikanischen Gesellschaft diese Bewegung nicht in Betracht ziehen und über die Notwendigkeit einer neuen Verfassung in den Vereinigten Staaten selbst reflektieren, die den Bürgern die Kontrolle über ihr Schicksal und die Außenpolitik sichern würde? (Dieselbe Frage gilt auch für andere Länder im Norden.)


"Wer sagte ANGST? Hier ergibt sich keiner. Volksaufstand"

Das Volk von Honduras ihrerseits ist ganz gewiss für eine verfassunggebende Versammlung und eine neue Verfassung: eine poetische Gerechtigkeit für die Bewohner einer ”Bananenrepublik”. In der Periode, die zum Staatsstreich führte, hat Präsident Zelaya das Volk in eine neue Richtung geführt. Deswegen wurde er aus dem Amt geworfen. Doch das post-Putsch-Honduras hat das Land verändert. Die Bewegung hat  seit dem 28. Juni an Tiefe gewonnen und wächst über das pre-Putsch-Honduras hinaus. Dieses Land ist jetzt mehr denn je Teil dieser großen Bewegung in Südamerika für eine neue ökonomische, anti-neoliberale Politik und neue politische Institutionen und gegen die US-Vorherrschaft, die Plünderung seiner natürlichen Reichtümer und die Installierung und Ausdehnung von Militärbasen. Honduras mag in der nahen Zukunft seine Höhen und Tiefen erleben, aber auf lange Sicht ist der Trend nicht umkehrbar wie überall im Süden, der sich heute erhebt.

  1. Zelaya Speaks, von Tom Hayden []


Quelle: Dissident Voice-Pre and Post-Coup Honduras

Originalartikel veröffentlicht am 9.9.2009

Über den Autor

Einar Schlereth ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8700&lg=de


SÜDLICH DER GRENZE: 17/09/2009

 
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