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15/01/2021
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Inglourious Basterds (Ruhmlose Bastarden) oder L’Armée du crime (die Armee des Verbrechens) ?

„Uchronische“ Hollywoodfantasie gegen legendäre Geschichte: Zwischen Tarantino und Guédiguian... Wählen Sie!


AUTOR:  Fausto GIUDICE

Übersetzt von  Isolda Bohler


Zwei den Zweiten Weltkrieg behandelnde Filme streiten dieser Tage um die Gunst des französischen Publikums. Der erste heißt „Inglourious Bastards“ des Yankees Quentin Tarantino und der zweite „L´Armée du crime“ des Franzosen Robert Guédiguian. Da ich innerhalb von 24 Stunden beide sah, schlage ich den Lesern einen Vergleich zwischen ihnen vor, um eine sowohl ästhetische als auch soziopolitische Reflexion zu ermuntern.

Titel

 Inglourious Basterds  

L’Armée du crime

Genre

 

Nicht mit der historischen Realität übereinstimmende („uchronische“1) Fantasie mit extremer Gewalt: Rächende, aus der Vorstellung der Drehbuchautoren hervorgegangene Juden liquidieren Hitler, Göring, Goebbels, Bormann und die ganze Crème de la Crème der Nazis, in dem sie ein Kino in Paris mit dem Namen „Le Gamar“2 in Brand stecken. Die Operation wird von Shosanna Dreyfus geleitet3. Die Naziführung war dort versammelt, um der Erstaufführung des letzten Films von Goebbels, der einem deutschen Freischärler, der von einem Glockenturm aus 300 feindliche Soldaten tötete, gewidmet war, beizuwohnen. Es handelt sich um ein reines Produkt der verdrehten Einbildungskraft des Fetischisten Tarantino, das wir in die Kategorie „Pulp Zionist Fiction“ einordnen könnten, oder wie es der Schauspieler Eli Roth, der die groteske Rolle des jüdischen Mörders mit einem Baseballschläger spielte, definierte: als Film „Porno koscher“.

Anmerkungen

1 Uchronie ist ein von Charles Renouvrier 1876 erfundener Neologismus nach dem Modell des Wortes Utopie, das eine fiktive Neuschrift historischer Ereignisse bezeichnet; eine Gattung, die von dem Historiker Tito Livio eingeführt wurde, der sich in seiner Geschichte von Rom ab deren Gründung vorstellte, dass Alexander der Große den Westen angriff, anstatt seine Armeen gegen Osten zu werfen, und hätte, so der römische Schriftsteller, Rom erobern können

2 Gamar, der Name des Kinos, ist das hebräische Verb, das „lernen/vervollständigen“ bedeutet, und es hat den Stamm des Wortes Guemara, der den Teil des Talmuds bezeichnet, der als Grundlage für alle Codes des rabbinischen Gesetzes dient.

3 Es handelt sich um eines der, auf groteske Weise unglaublichen, Details des Film: Shosanna ist ein biblischer Name, der gleichzeitig Schwertlilie und Rose bedeutet. Die bekannteste der Shosannas ist die Heldin der Fabel: „Susanna und die Greise“ aus dem Buch Daniel des Alten Testaments. In einer jüdisch - französischen Familie der 40er Jahre hätte man sie einfach Suzanne genannt. Bezüglich der Erfindung einer jüdischen Bauernfamilie, Milchproduzenten genannt... Dreyfus in jenem Frankreich, dafür ist sehr viel Einbildungsvermögen nötig!

 

Historischer Film, der von der Legende der Gruppe FTP MOI inspiriert ist, der antinazistischen Widerstand leistenden  Freischärler und Partisanen, die alle Immigranten  waren, von denen die Mehrheit von den Nazis 1944 im besetzten Frankreich hingerichtet wurden. Der Titel bezieht sich auf das vom Propagandadienst der Nazis hergestellte Plakat nach der Hinrichtung von 22 Widerstandskämpfern am 21. Februar 1944, auf dem stand: „Befreier? Die Befreiung durch die Armee des Verbrechens!“ Dieses Plakat ging in die Geschichte mit dem Namen „Rotes Plakat“ ein.


Die Hauptpersonen des Films sind Missak Manouchian, armenischer Poet, vor dem türkischen Völkermord 1915 geflohen und Fräser in den Fabriken von Citroën; seine Frau, Mélinée; seine Genossen Marcel Rayman, Thomas Elek, Joseph Boczow und andere. Die Mehrheit der Widerstandskämpfer der Gruppe FTP MOI der Pariser Region sind Ausländer: Polen, Ungarn, Rumänen, Italiener, Spanier. Sie waren Kommunisten, fast alle Juden, Arbeiter, junge Leute. Viele von ihnen, angefangen von ihrem Chef, Joseph Epstein – gemeinsam mit Manouchian verhaftet und im April 1944 nach mehrmonatigen abscheulichen Folterungen erschossen – hatten im Spanischen Bürgerkrieg in den Internationalen Brigaden gekämpft. Seit Juni 1942 bis November 1943 führten diese Stadtguerilleros 229 Aktionen gegen den deutschen Besatzer und seine Kollaborateure durch, immer „legitime“ Ziele angreifend, niemals die Zivilbevölkerung, von der sie Teil waren.

1942-1943 waren die FTP MOI, die direkt von der Kommunistischen Internationalen abhingen, praktisch die einzigen bewaffneten Kämpfer gegen die Nazis in der Pariser Region. Aber, isoliert, unterlagen sie schließlich gegen 200 Inspektoren der Spezialbrigade der französischen politischen Polizei, die auf ihrer Suche und die die wirkliche „Armee des Verbrechens“ war.

Regisseur 

Quentin Tarantino wurde 1963 in Knoxville (Tennessee)4, mit italienischen, irländischen und Cherokee Vorfahren, geboren. Das postmoderne Enfant terrible von Hollywood erlaubt sich in diesem Film eine bilderstürmerische Subversion von allen Hollywood Gemeinplätzen über den Nazismus, den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust. Hier sind die Schlechten die Juden und die Nazis Edelmänner (!). Auf diese Art und Weise gebar er den am meisten antisemitischen Film der Geschichte, nach „Jud Süss“ von Veit Harlan, mit Enthusiasmus von seinen zionistischen Produzenten, den Gebrüdern Weinstein, aufgenommen und dem krankhaften zionistischen Jubel auf der ganzen Welt, was ein Widerspruch nur dem Schein nach ist.

Anmerkung

4- Die von Brad Pitt interpretierte Figur des Leutnants Aldo Raine, Chef des finsteren Kommandos von den „nicht ruhmreichen Bastards“, ist auch von Tennessee und führt Apachenblut in seinen Venen (nicht an seinen Händen), was erklärt, dass er seinen Männern befiehlt, sie sollten ihren Opfern den Skalp ausreißen.

Robert Guédiguian wurde 1953 in Marseille geboren, sein Vater war Schauermann am Kai und Kommunist, Nachkomme von Geflohenen des armenischen Genozids von 1915 und seine Mutter Deutsche.  Kommunist in seiner Jugend, trat er letztes Jahr in die Partei der Linken (Parti de gauche) ein, von Jean-Luc Mélénchon, einem früheren Trotzkisten, der die sozialistische Partei Frankreichs verließ, gegründet. Die „Partei der Linken“ präsentierte bei den jüngsten Europawahlen gemeinsame Listen mit der französischen Kommunistischen Partei.

Hier sind einige Zitate von Guédiguian:
„Seit meiner Geburt hörte ich von Manouchian sprechen. Er ist Teil des Pantheons der großen kommunistischen Widerstandskämpfer. Ich erinnere mich besonders daran, als Kind den Brief vor seinem Tod gelesen zu haben.  In ihm sagt Manouchian: „Ich sterbe ohne Hass gegen das deutsche Volk“; das bestärkte mich in meiner beidseitigen Herkunft und für die Menschheit im Allgemeinen.“

„In spaßigem Ton sage ich, dass L´Armée du crime (die Verbrecherarmee) nationalpopuläres Kino ist und so verbreite ich das Théâtre National Populaire von Jean Vilar weiter; denn der Film konzentriert Kultur, Legende und schöne historische Figuren... Ich habe nicht das geringste Problem zu sagen, dass ich vorhatte, einen pädagogischen Film zu machen. Ich übernehme das voll und ganz.“

  Kosten           70 Millionen Dollar  9,2 Millionen Euro
  Kommentare

Tarantino baut seine Filme mit einer industriell perfekten Technik. Er überlässt nichts dem Zufall. Man hat den Eindruck, jede seiner Szenen ist zum Erhalt eines Oscars ausgedacht.

Er zwinkert und bringt die ganze Zeit Zitate zwischen dem Text, sei es zu Lubitsch, zu Chaplin bis zu Sergio Leone oder einschließlich zur Musik von Ennio Morricone. Ich höre auf, weil es langweilig wird.


Aber das unerträglichste ist die Gewaltorgie, auch wenn man weiß, dass sie nur Fiktion ist. Sie ist wirklich zu viel. Und ich frage mich, ob dieser Film nicht wieder die in einer Umgebung mit Videospielen und Banalisierung des Blutes und der Folter aufgewachsenen Jugendlichen inspiriert. Man sollte auch nicht vergessen, dass diese jungen Leute glauben werden, die Fiktion von Tarantino sei Geschichte und, dass „es die Juden waren, die Hitler töteten“...

 

Guédiguian ist ein Kunsthandwerker des poetischen Realismus, sparsam und wirkungsvoll. Genauso wie seine heldenhaften Hauptfiguren schreckt ihn die Gewalt. Hier ist ein Auszug aus einem Interview:

Die Tatsache zu töten ist niemals etwas nichts sagendes in L´Armée du crime, weder für die Figuren noch für die Zuschauer. Wie erreichten Sie diese „Ethik des Blicks“ über die Gewalt?

Ich glaube, es gibt zwei Formen, die Gewalt zu verbergen. Die erste, sehr verbreitet, beruht auf einer Art von Befriedigung im Naturalismus,  mittels deren sich die Gewalt in ein Spektakel verwandelt. Die USamerikaner (Sehen Sie die Kolumne hier daneben, F.G.) benutzen sehr viel diesen Standpunkt. Die zweite, europäischere Form besteht darin, überhaupt nichts zu zeigen oder nur auf sehr beschönigende Weise. In beiden Fällen wird die Gewalt nicht angeklagt. Ich glaube, man darf diese Sache nicht vermeiden. Es ist notwendig, dass uns der Rückgriff auf die Gewalt weiterhin schockiert, dass sie als etwas erscheint, das wir vermeiden können und als solches behandeln sollten. 

Die Zuschauer kennen aus Erfahrung die Gewalt im Kino. Es genügt, dass ein Faustschlag schlecht gemacht ist, damit sie ihn nicht akzeptieren. Deswegen muss man zugleich den Grad der Erziehung in Betracht ziehen und die Erwartungen des Publikums diesbezüglich.

Ich glaube, dass man die Gewalt einzig Szene um Szene und Einstellung auf Einstellung einander gegenüberstellen kann. Man muss gleichzeitig das Aufsehen erregende Schauspiel, das vom Publikum gesucht wird und die notwendige Anklage erreichen. Möglicherweise gibt es nur eine Weise, jede Szene zu zeigen und man muss sie finden.

Von diesem Standpunkt aus ist Missak Manouchian eine sinnbildliche Figur, eine nicht gewalttätige Figur, die sich dazu entschließt, die Gewalt anzuwenden...

Ja, er kehrt an den Ort des Attentats zurück, um festzustellen, was es verursachte, um die Leichen der deutschen Soldaten anzuschauen. Er sagt: „Ich bin zu einem wirklichen Kämpfer geworden“. Und er weint. Das ist der absolute Widerspruch dieser Gewalttat. Die Gewalt geht niemals vom Unterdrückten aus. Dieser wird gewalttätig, wenn die Unterdrückung gewalttätig ist. Ich glaube nicht, dass es in der Geschichte Fälle gibt, bei denen es nicht so ist. Eine der Figuren des Films sagt es: „Wir töten, weil wir für das Leben sind“. Man tötet, weil man niemanden töten will. Manouchian führt diesen Widerspruch bis ins Extreme“.

Schlussfolgerung: Sie können aussuchen zwischen...

... der rückwirkenden Apologie von blutgierigen Juden, stämmig und unmenschlich, aus einer Einbildungskraft hervorgegangen, die durch eine spätere historische Realität (die israelischen Verbrechen) überflutet und genährt wird...

   

... und der Erinnerung an die reale Geschichte über reale, internationalistische und humane Juden im Alter von 18 bis 40 Jahren, die aufgrund der Besatzung ihres Landes mit ihren Brüdern und Schwestern aller Herkunftsorte das Gewehr nahmen, um ihre Aufgabe als Männer und Frauen zu erfüllen. In wenigen Worten, ein Werk der Erziehung durch die Vermittlung von Geschichtsbewusstsein, das von einer Seite der Geschichte handelt, die die Gründung von Tlaxcala anregte, dem Übersetzernetzwerk zur sprachlichen Vielfalt (Lesen Sie unser Gründungsmanifest)


Source : l'auteur

Article original publié le 22/9/2009

Sur l’auteur

Fausto Giudice est membre de Tlaxcala, le réseau de traducteurs pour la diversité linguistique. Cet article est libre de reproduction, à condition d'en respecter l’intégrité et d’en mentionner l’auteur et la source.

URL de cet article sur Tlaxcala :
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8761&lg=fr



Quelle:  der Autor - Fantasy uchronique hollywoodienne contre film d’histoire légendaire : entre Tarantino et Guédiguian, il faut choisir !

Originalartikel veröffentlicht am 22.9.2009

Über den Autor

Fausto Giudice und Isolda Bohler sind Mitglieder von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8808&lg=de


RAUCHENDE GEHIRNE: 26/09/2009

 
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