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20/01/2021
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Der erste Wortkrieg

Kurze Anmerkungen zu den sogenannten „internationalisierten bewaffneten Konflikten“


AUTOR:  Julio C. SÁNCHEZ

Übersetzt von  Isolda Bohler


Die Piraterie an den somalischen Küsten, die bewaffnete Gewalt im Osten der Demokratischen Republik Kongo und die explosive Situation in Darfur und ihre schädlichen Auswirkungen auf die Nachbarländer füllen die Presseschlagzeilen. Aber diese Medien beschränken sich auf die Beschreibung des Phänomens, ohne ihre wahren Ursachen zu ergründen.

Einer der verlogensten Begriffe, wie sie von den Medien und in gewisser akademischer Literatur gebraucht werden, ist der des bewaffneten Konflikts. Er wird sogar auf gleiche Weise als Ersatz für den des Krieges benutzt. Dagegen haben die Medien für die Konflikte in Afrika südlich der Sahara Bezeichnungen geprägt, wie ethnischer Konflikt, Bürgerkrieg, etc. Aber für die Aktionen auf anderen Schauplätzen mit Militäroperationen wie Afghanistan und der Irak, wo es eine direkte US-Präsenz gibt, dort wird der Begriff  Krieg angewendet.

Worin liegt der Unterschied? Mehr als in Aspekten der technisch - militärischen oder juristischen Art, liegen diese Unterschiede, wenn man Phänomene ähnlicher Wesensart analysiert, in ideologischen Beweggründen, die die imperiale Präsenz der USA in Afghanistan und im Irak zu rechtfertigen versuchen. Durch sie legitimieren diese Medien die Handlungen, die als Konsequenz des aggressiven Diskurses ausgebrochen sind, der von dem damaligen Präsidenten George W. Bush an der Militärakademie von West Point am 20. Dezember 2001 gehalten und der danach in der Strategie für die Nationale Sicherheit der USA 2002 bestätigt wurde, in der man eindeutig erklärte, dass dieses Land einen Krieg initiiert hatte. Es wird, jenseits des Kampfes gegen den Terrorismus, beiseite geschoben, was hinter den US-Aggressionen steckt, nämlich das hegemonische Interesse für die Kontrolle der Bodenschätze in einer breiten Zone, die den gesamten afrikanischen Kontinent und Teile Asiens einschließt. Dazu muss ihre günstige geographische Lage hinzugezählt werden, und dass die erfolgreiche Umsetzung dieser imperialen Ziele der Kontrolle es den USA erlaubten, Vorteile gegenüber den wichtigsten Verbündeten und auch gegenüber jenen Ländern, die von der imperialen Agenda als Konkurrenten definiert worden sind, zu erlangen.

Obgleich es in dieser Arbeit nicht unser Ziel ist, die Ursachen, die zu den Aggressionen gegen Afghanistan und den Irak führten, zu definieren, sondern einige Regelmäßigkeiten im Verhalten der Kriege, die heute die Region Afrikas südlich der Sahara betreffen, zu definieren, müssen wir aber betonen, dass das ökonomische Interesse, das in letzter Instanz die US-Streitkräfte dazu führte, jene Länder zu überfallen, auch die Grundlage der Konflikte, die seit Jahrzehnten Somalia, den Sudan und die Demokratische Republik Kongo ausbluten lassen, bestimmt.

Wir meinen, dass der Begriff des Bürgerkriegs, mit dem die Medien die bewaffneten Handlungen, die sich in diesen drei afrikanischen Ländern abspielen, geprägt haben, revidiert werden sollte, denn in den drei Fällen gibt es eine wichtige Präsenz internationaler Akteure, sowohl als Anstifter von bewaffneten Aktionen, als auch als direkte und/oder verdeckte Teilnehmer und sie haben sogar Terminkalender projektiert, um Lösungen für die Kriege auszuloten, die in jedem einzelnen dieser Länder eine neue Verteilung jener Gebiete, wo es bewiesenermaßen wichtige Naturvorkommen gibt, mit sich bringen würde.

Die Präsenz internationaler Akteure, die Vertriebenen- und Flüchtlingsströme als Folge der bewaffneten Aktionen, sowie die Probleme der Aufnahmeländer von den Massen von Menschen, die gezwungen sind, ihr Land zu verlassen oder sich gezwungen sehen, sich in sichereren Gebieten ihres Landes niederzulassen, führte dazu, dass Experten des Internationale Humanitären Rechts das Konzept des Bürgerkrieges neu definierten. An seiner Stelle wird der Begriff des bewaffneten internationalisierten Konflikts in vielen vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes ausgearbeiteten Arbeiten gebraucht, wenn Konflikte wie die, die heutzutage die zuvor erwähnten afrikanischen Länder betreffen, analysiert werden. 

Auf diese Linie der Analyse stellt sich der Artikel „Für eine einzige Definition von bewaffnetem Konflikt im internationalen humanitären Recht: Eine Kritik an den internationalisierten bewaffneten Konflikten“, ausgearbeitet von James G. Stewart, diplomiert in Internationalem Humanitären Recht (CICR), sowie Anwalt und Prozessbevollmächtigter am Obersten Gericht Neuseelands (1). Es ist zu betonen, dass, obwohl der Autor einen Bezug auf den Krieg in der Demokratischen Republik Kongo macht und ihn als einen bewaffneten internationalisierten Konflikt definiert, er in seinen Äußerungen über diese Art von Konflikten, die meisten von ihm aufgezeigten Beispiele denen aus dem früheren Jugoslawien entsprechen.

Diese Linie der Analyse, die so benannten bewaffneten internationalisierten Konflikte in ihren Multidimensionen zu sehen, können wir auch bei kubanischen Akademikern finden, die sich dem Studium der Region südlich der Sahara in Afrika widmen. Die Mehrheit von ihnen befinden sich am Studien - Zentrum für Afrika und dem Mittleren Osten (Centro de Estudios de África y Medio Oriente, CEAMO). Als Ergebnis der veröffentlichten Arbeiten, sowohl in der Zeitschrift Afrika und Mittlerer Osten (Revista África y Medio Oriente, RAMO) als auch im Digitalbulletin CEAMOnitor, arbeitete diese kubanische Einrichtung das Konzept des bewaffneten, miteinander verbundenen Konflikts aus, um die Komplexität der Kriege, die die Region betreffen, zu verstehen.

Das Konzept geht von einem ganzheitlichen Ansatz an die Ursachen der Kriege aus und erkennt, dass, obgleich die Einmischung externer Akteure als Katalysatoren von internen Konflikten analysiert werden können, sie zu ihrer Entfesselung die Existenz einer Ansammlung von objektiven Bedingungen brauchen, die die ungleiche Verteilung von politischer Macht, die mit den Staaten der Nach – Unabhängigkeit verbundenen ökonomischen Interessen und das Vorhandensein einer ungleichen Aneignung der Bodenschätze umfassen. Deswegen lehnen die Forscher vom CEAMO in ihren konzeptuellen Bewertungen die Bezeichnungen von Krieg des Koltans im Fall der Demokratischen Republik Kongo, oder Diamantenkrieg, wie der beendete Krieg in Sierra Leone bezeichnet wurde, ab. Trotzdem erkennen sie die Kontrolle über die Bodenschätze als einen der Faktoren an, welche die destabilisierende  Präsenz von externen Akteuren stimulierten.

Aktuell und in Entsprechung mit dem internationalen Verbund von anwesenden Akteuren in den Konflikten von Somalia, der Demokratischen Republik Kongo und dem Sudan finden wir uns auch in Gegenwart von einem Verbund von internationalen Terminkalendern zu ihrer Lösung. Aber die Selben greifen nicht das Wesen des Problems an, sondern nur ihre externen Bekundungen, nur sie werden verfochten: die Befriedung, die Entwaffnung der Kriegführenden und die nachfolgende Eingliederung ins politische Leben. Aber für die realen Ursachen dieser Kriege, die in der Unterentwicklung, in der die große Mehrheit lebt, liegen, haben diese komplizierten Terminpläne für die Zeit nach dem Konflikt keine Lösung, zumal die in jedem der Fälle eine erdrückende Anwesenheit von internationalen Truppen implizieren, die, anstatt in jenen Kriegsschauplätzen aufzubauen, sich in einen neuen destabilisierenden Faktor verwandeln.

Die wahre Lösung der aktuellen Konflikte müsste als leitende Achse eine Strategie haben, die auf den Weg führt, der den Ungleichheiten ein Ende macht und auch zur Annahme einer internationalen Ordnung führt, in der die Kooperation zur Entwicklung vorherrscht, anstatt der Eroberungskriege und der Militarisierung.

Verweise:

(1)  Stuart, James G.: „In Richtung auf eine einzige Definition von bewaffneten Konflikten im Internationalen Humanitären Recht: Eine Kritik an den bewaffneten internationalisierten Konflikten“, Zeitschrift des Internationalen Roten Kreuzes, 30.6.03



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Quelle: CEAMOnitor Nr. 6-Breves comentarios sobre la denominación de “conflictos armados internacionalizados”

Originalartikel veröffentlicht im Juni 2009

Über den Autor

Isolda Bohler ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8987&lg=de

 


DIE TLAXCALA KARTEI: 14/10/2009

 
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