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18/01/2021
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Der Sprecher des iranischen Außenministeriums verurteilt die „unüberlegte“ Rede des US-amerikanischen Kommandeurs David Petraeus


AUTOR:   IRNA Islamic Republic News Agency خبرگزاری جمهوری اسلامی ایران

Übersetzt von  Hans-Jürgen Falkenhagen, kommentiert vom Übersetzer und von Brigitte Queck


Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mihman–Parast, hat am Montag  die unüberlegten und unverantwortlichen Erklärungen des US-amerikanischen Oberkommandeurs für den Nahen und Mittlerem Osten und Zentralasien, David Petraeus, verurteilt. Dieser hatte die Möglichkeit der Bombardierung von Nuklearanlagen des Irans  heraufbeschworen.

Diese Reden sind unüberlegt und unverantwortlich, und es wäre besser und nützlich, wenn jede Erklärung zu diesem Thema sich in einem konstruktiven Rahmen bewegt, erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums.

General  Petraeus hatte am Sonntag, den 10. Januar,  in einem Interview für CNN erklärt:

„Es wäre völlig verantwortungslos, wenn der amerikanische Oberkommandeur, der mit dem Oberbefehl über die Region beauftragt ist, nicht Pläne ausgearbeitet hätte, um auf die große Vielfalt  der Lage-Möglichkeiten zu reagieren.“

Im Übrigen wiederholte Mihman-Parast, der auf Fragen  von IRNA antwortete, auch, dass der Iran immer bereit war und ist, sein schwach angereichertes Uran etappenweise gegen Uranbrennstoffe u.a.  für seinen Reaktor in Teheran  auszutauschen. Der Iran  hat der über das iranische Atom-Dossier verhandelnden Gruppe der Sechs, die aus den USA, Russland, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und China besteht, im Oktober 2009 vorgeschlagen, dass ein etappenweiser Austausch von kleineren Mengen iranischen Urans gegen vom Ausland gelieferte Brennstoffe stattfinden soll.

 Kommentar

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Mihman–Parast ist der  Lüge entgegentreten, dass der Iran es abgelehnt habe, sein schwach angereichertes Nuklearmaterial gegen verwertbare Uranbrennstoffe auszuliefern und auszutauschen, Mit dem Austausch von schwach angereichertem Uranmaterial  gegen die Lieferung von Nuklearbrennstoffen für sein friedliches Atomprogramm ist Teheran grundsätzlich einverstanden. Es fordert nur, dass der Austausch  etappenweise, sozusagen Zug um Zug erfolgt. Die Forderung der Westmächte, das gesamte Uranmaterial auf einmal ins Ausland zu liefern, und zwar gegen das noch dazu ungewisse und vage Versprechen, dafür irgendwann und irgendwie Uranbrennstoffe geliefert zu bekommen, war eine Zumutung ohnegleichen. Das konnte Teheran zurecht als Fallenstellerei betrachten, die zudem leicht als solche erkennbar war. 

Es ist auch verständlich, dass man in Teheran über die Unverantwortlichkeit der Äußerungen von General Petraeus über die mögliche Bombardierung der friedlichen Zwecken dienenden iranischer Atomanlagen schockiert und entrüstet ist. Kann man so leichtsinnig und flapsig über die Schicksalsfrage der Menschheit von „Krieg oder Frieden“ reden? Die Zeitung „junge Welt“, Berlin,  hatte am Montag den 11. Januar auf Seite 8 einen Beitrag mit der Überschrift „Kriegsplaner des Tages: David Petraeus“ veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass der regionale Oberbefehlshaber Petraeus im Nahen und Mittleren Osten sowie Zentralasien im CENTCOM-Hauptquartier in Tampa der Frontfrau des US-Nachrichtensenders CNN,  Christiane Amanpour, die berühmt-berüchtigt ist für ihre Kriegsberichterstattung schon aus Jugoslawien und dem Irak, zur Iranfrage Rede und Antwort gestanden hatte.

„Überraschend ist es nicht, dass Washington detaillierte Bombenszenarien gegen das ölreiche Land am Persischen Golf ausgearbeitet hat. Überraschend ist nur, dass der Topgeneral dies im US-Fernsehen ausplaudert und das mit der größten Selbstverständlichkeit und Arroganz einer Großmacht“, heißt es in dem Artikel der „jungen Welt“. Petraeus hatte zudem auch noch betont, dass der Iran zwar seine Atom-Anlagen stärker gesichert und entsprechende Bunker ausgebaut hat. Dennoch seien sie nicht bombenfest. „Nun, sie können sicher bombardiert werden. Die Effektivität hängt davon ab, wer es ausführt, welche Feuerkraft vorhanden ist und welche Fähigkeiten zum Einsatz gebracht werden“, sagte Petraeus im Brustton der Selbstverständlichkeit.

Obwohl David Petraeus im besagten Interview auch auf die noch vorhandenen diplomatischen Möglichkeiten hinwies, beinhaltete sein Interview die unverhüllte Drohung, den Iran mit Atomwaffen angreifen zu wollen. So selbstverständlich, wie das Petraeus gesagt hat, sieht dies schon mehr als „nur“ nach dem Einsatz herkömmlicher uranangereicherten Bomben und uranangereicherter Munition  (DU-Waffen) aus, die in Jugoslawien, dem Irak und Afghanistan eingesetzt wurden und dort bereits zur regionalen radioaktiven Verstrahlung großer Landstriche mit verheerenden gesundheitlichen Folgen für die dortige Bevölkerung, aber auch für internationale Einsatzkräfte geführt haben. Mit der angedrohten hohen Durchschlagskraft seiner Bomben, sog. Bunker Busters, droht General Petraeus nun dem Iran mit den härtesten Kalibern von Bomben. Bei diesen Bomben mit sehr hoher Durchschlagskraft kommt er gar nicht umhin, von Atomwaffen zu sprechen.

Diese Formulierung Atomwaffe, obgleich auch DU Atomwaffen sind, haben die Amerikaner bisher vermieden!!  Genau genommen bedeuten die Äußerungen von Petraeus: superdurchschlagsfähige Atombomben gegen friedliche Atomanlagen! Das Apokalyptische dabei ist, dass es beim begrenzten Einsatz gegen Atomanlagen im Falle eines Krieges gar nicht bleiben würde. Der Atomkrieg würde sich ausweiten. Genau das deutete Petraeus auch an, wenn er es auch nicht so formulierte.  Und Friedensnobelpreisträger US-Präsident Obama hat im Grunde auch schon zu verstehen gegeben, dass er bereit und entschlossen ist, erforderlichenfalls den Befehl zum Ersteinsatz von Atomwaffen zu geben (vergleiche seine Osloer Rede).

Worin besteht nun die Unverantwortlichkeit des Statements von Petraeus, die auch der Pressesprecher des iranischen Außenministeriums angesprochen hat?

Angriffskriege zu führen, ist, unabhängig davon, mit welchen Waffen sie geführt werden, generell völkerrechtswidrig. Die Atommächte haben sich völkerrechtlich ausdrücklich verpflichtet, keine Atomwaffen gegen nicht Atomwaffen besitzende Staaten einzusetzen, und sie haben sich zum Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen verpflichtet, und das nicht nur im Atomwaffensperrvertrag.

Der nun auch von Petraeus indirekt angekündigte Atomkrieg gegen den Iran würde die Welt nicht nur schlagartig total aus den Fugen reißen, er wäre das Präludium zur totalen atomaren Vernichtung der Erde und der Menschheit !! Schon in den 70er Jahren des XX. Jahrhunderts verfügten die USA und die Sowjetunion über eine mehr als 10fache atomare Overkill-Kapazität. Das heißt, das damals vorhandene Atomwaffenpotential der beiden Supermächte reichte aus, sämtliches Leben auf der Erde mehr als zehnmal auszulöschen und unseren Planeten auf Dauer unbewohnbar zu machen.

Der nun angedrohte Ersteinsatz von Atomwaffen, indirekt auch aus dem Munde von General Petraeus, hätte augenblicklich unvermeidbar die atomare Aufrüstung auch einer Vielzahl von kleinen Staaten zur Folge. Selbst Nordkorea könnte in seinen großen Bergmassiven dann  soviel atomare Sprengsätze mit Abschussbasen in Stellung bringen, wie sie  die USA besitzt. Auf die territoriale Größe eines Landes käme es dabei gar nicht an. Sämtliche Hemmschwellen, Atomwaffen überall einzusetzen, würden schlagartig entfallen. Vorläufig galten die Atomwaffen als Abschreckungswaffe. Nunmehr aber hätte jeder Staat der Welt das Recht, diese Waffen als Verteidigungswaffen gegen militärische Angriffe seines Landes einzusetzen. Darin besteht die Unüberlegtheit des Statements von Petraeus wie sie Teheran moniert.  Und darin spiegelt   sich übrigens der Nimbus der Unbesiegbarkeit der USA. Den haben die USA nie gehabt und heutzutage weniger denn je, auch wenn sie sich noch so martialisch gebärden. Die derzeit knapp 1 Millionen US-Kampftruppen haben diesen Nimbus der Unbesiegbarkeit ohnehin nicht. Genau genommen würden die USA schon jetzt mit samt ihren Verbündeten  militärisch zusammenbrechen, wenn sie sich zum Kampf Mann gegen Mann selbst  mit minder gerüsteten, aber zahlenmäßig und moralisch überlegenen Gegnern einlassen würden. Kriege und militärische Auseinandersetzungen weltweit mit Atomwaffen würden schließlich und letztendlich die USA und ihre Vasallenstaaten mit zerstören und vernichten.

Eine solche Denkweise kann nur kranken Hirnen entsprungen sein!

Sollte das das letzte Aufbäumen eines tödlich getroffenen Tigers sein?

Die Finanzmacht der USA ist schon jetzt durch ihre derzeitige größte Finanzmisere zerüttet. Die USA bilden das Bild einer sozial zerrissenen und moralisch kaputten Gesellschaft und militärisch werden sie zunehmend zum sich totrüstenden Koloss auf tönernen Füßen. Und in dieser Situation regt man sich in Washington auch noch scheinheilig darüber auf, dass der Iran doch nach Atombomben streben könnte, obwohl man dort genau weiß, dass das iranische Atomprogramm nur friedlichen Zwecken dient und dies auch für die Zukunft so beabsichtigt ist. Warum siegt in Washington nicht die Vernunft und warum schlägt man dort nicht den Weg konstruktiver Verhandlungen und Kompromisslösungen zur Sicherung des Weltfriedens und zur Schaffung von Wohlstands für alle Völker, einschließlich zur Verhinderung der Umweltkatastrophe  ein?


Quelle: Ramin Mihman-Parast dénonce les propos "irréfléchis" du commandant américain Petraeus

Originalartikel veröffentlicht am 11.1.2010

Über den Autor

H-J Falkenhagen und Brigitte Queck sind Mitarbeiter von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Dieser Artikel kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autoren als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
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FRIEDEN UND KRIEG: 17/01/2010

 
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